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30 Jul

Gamification: Was Unternehmen von „Angry Birds“ für den Umgang mit ihren Azubis lernen können

Das Bild zeigt eine Szene aus dem Spiel "Angry Birds".

Direktes Feedback durch tote Schweine (Bild: Rovio Entertainment Ltd.)

Nächste Woche ist es mal wieder so weit: Zigtausende von Teenagern mit flinken Händen und blassem Teint, die normalerweise kaum ihr Zimmer verlassen, werden in Köln einfallen und das rechtsrheinische Stadtbild mit teils abenteuerlichen Kostümen prägen. Vom 5. bis zum 9. August steigt bei uns nämlich die alljährliche gamescom, die weltweit größte Messe für Video- und Computerspiele. Okay, tut mir leid, das Klischee vom daddelnden Teenie war einfach zu verlockend, um es hier NICHT zu verwenden. Natürlich weiß ich, dass Zocken mittlerweile breite gesellschaftliche Anerkennung erlangt hat. Jeder tut es – sogar der Vizepräsident der Vereinigten Staaten. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass der Einfluss von Videospielen auf diverse Branchen und Geschäftsfelder immer größer wird. Zum Beispiel auf den HR-Bereich. Der angegliederte gamescom congress behandelt das Thema „Human Resources – Modernes Personalmanagement durch Impulse aus der Spielebranche“ am 6. August sogar in einem eigenen Panel.

Das interessiert mich natürlich brennend. Also habe ich im Vorfeld des Kongresses Mario Herger, einen der Speaker, in seiner kalifornischen Wahlheimat kontaktiert und ihn über das Thema ausgequetscht.

Mario Herger, würden Sie sich unseren Leserinnen und Lesern bitte kurz vorstellen.

Herger: „Ich bin seit 2013 CEO meines eigenen Start-ups: Die Enterprise Gamification Consultancy LLC ist eine strategische Beratungsfirma mit Sitz im Silicon Valley, die auf Gamification, Innovation, Kreativität und Intrapreneurship in Unternehmen spezialisiert ist. Vorher habe ich lange bei SAP gearbeitet, erst in der Zentrale in Deutschland, ab 2001 dann als Senior Innovation Strategist in den SAP-Labs hier im Valley. 2010 bin ich über das Thema Gamification, auf Deutsch: Gamifizierung, gestolpert und habe in der Folge bei SAP eine große Initiative gestartet, mehr als 700 Kolleginnen und Kollegen intern dazu geschult und zahlreiche Projekte durchgeführt. Ursprünglich komme ich aus Wien, habe dort an der TU Technische Chemie studiert und darin auch promoviert.“

Gamification – was ist das genau?

„Gamification heißt nicht, dass wir Spiele spielen, das wird häufig verwechselt. Sondern: Wir nehmen Spieledesign-Elemente und verwenden sie in einem nichtspielerischen Zusammenhang, zum Beispiel in einer Geschäftsanwendung oder auf einer Website. Ziel dabei ist, den Anwender zu einem bestimmten Verhalten zu animieren. Gute Beispiele sind die Networking-Plattformen Xing und LinkedIn. Wenn ich mir dort ein Profil anlege, soll ich erst mal allerhand Informationen über mich preisgeben. Meine Motivation ist anfangs allerdings nicht besonders hoch, denn ich kann ja den Wert für mich noch gar nicht abschätzen. Dann gibt es dort aber diesen kleinen Fortschrittsbalken, der mir anzeigt: ‚40 Prozent deines Profils sind komplett‘. Und dann bin ich direkt ein kleines bisschen angestachelt und frage mich, hmm, wie kriege ich das jetzt auf 100 Prozent? Oder denken Sie an Amazon. Sie schauen sich ein Buch an, und da steht: ‚Nur noch drei Exemplare auf Lager‘. In dem Moment ist Ihr Sportsgeist geweckt. Sie wollen schneller sein als die anderen Kunden und klicken auf ‚Kaufen‘. Das ist Gamification.“

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21 Jul

Recruiting-Videos (1): Die Miserablen von Yale

Screenshot aus dem epischen Yale-Recruiting-Musical

Screenshot aus dem epischen Yale-Recruiting-Musical

Sie können Evita, Cats und Das Phantom der Oper von der ersten bis zur letzten Silbe mitschmettern? Zu einem New-York-Urlaub gehört für Sie zwingend ein Besuch am Broadway? Und als die High-School-Musical-Serie Glee noch lief, hatte Super-RTL bei Ihnen zu Hause tatsächlich mehr Marktanteil als manch öffentlich-rechtlicher Sender? Wenn Sie all diese Fragen guten Gewissens mit Ja beantworten können, dann sollten Sie sich das folgende Video nicht entgehen lassen. Zugegeben, es ist schon etwas älter. Trotzdem bin ich erst kürzlich darauf gestoßen, und mir war sofort klar, dass es in dieses Blog gehört – ob als Best- oder als Worst-Practice-Beispiel für Recruiting, dürfen Sie nach dem Anschauen selbst entscheiden. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten.

Und nun lehnen Sie sich zurück, legen Sie die Beine hoch, und vergessen Sie für die nächsten 16 Minuten und 48 Sekunden (!!!) die Papierstapel auf Ihrem Schreibtisch und die unerledigten E-Mails in Ihrem Posteingang. Denn exakt so lange dauert der Image-Film, mit dem die Yale University seit 2010 versucht, Schulabgängerinnen und -abgänger auf ihren hübschen Campus an der US-Ostküste zu locken. Ob’s funktioniert? Nun, dass die renommierte Ivy-League-Universität nicht unbedingt ein Problem mit der Gewinnung talentierter und zahlungskräftiger „Freshmen“ hat, ist bekannt. Welchen Anteil allerdings dieses Epos an der Fülle der Bewerbungen trägt, lässt sich nicht sicher sagen. Auf YouTube jedenfalls ist der Film mit über 1,6 Millionen Klicks ein Hit. Schade nur, dass die Uni hier (und im gesamten Kanal) die Kommentarfunktion deaktiviert hat.

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