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28 Jun

Azubi-Recruiting Trends 2017 – Schüler wollen persönlichen Kontakt zu Unternehmen

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Jetzt sind sie da, die Ergebnisse der Azubi-Recruiting Trends 2017. Da ist unter anderem zu lesen, dass die meisten Azubi-Bewerber online unterwegs sind, um sich über Ausbildungswege und freie Ausbildungsplätze zu informieren. Ok, das ahnten wir, oder? 59,4 Prozent der Schüler nutzen dafür „häufig“ oder „sehr häufig“ Suchmaschinen, 54,8 Prozent Karrierewebseiten und 40,9 Prozent das Onlineangebot der Agentur für Arbeit. Spannender liest sich, dass sich Bewerber den persönlichen Kontakt zum Unternehmen wünschen. Sie kaufen nicht gerne die Katze im Sack. Wir wissen das natürlich schon lange aus unserer Berufswahlmesse-Praxis, und ich freue mich, es mal wieder schwarz auf weiß zu lesen. 74,5 Prozent der Schüler finden Praktika „wichtig“ oder „sehr wichtig“! Blöderweise setzen nur 50,8 Prozent der Ausbildungsbetriebe Praktika „häufig“ oder sehr „häufig ein“. Beim Thema Probearbeiten driften die Werte noch stärker auseinander. 71,1 Prozent der angehenden Azubis wünschen sich, Praxisluft zu schnuppern, aber nur 30,8 Prozent der Ausbildungsbetriebe bieten diese Möglichkeit an. Liebe Unternehmen, hier liegt eure Chance! Bitte macht eure Ausbildung erlebbar. Wenn ich mir vorstelle, wie viel Ärger man sich durch Probearbeiten erspart, möchte ich sofort ein Gesetz einführen, das vorschreibt: kein Ausbildungsvertrag ohne 14 Tage Probearbeiten. Denn ist der Vertrag einmal unterschrieben, wird der Rückzug schwer. Trotz Probezeit. Zu groß ist die moralische Verpflichtung, die vermeintliche Traumausbildung nun auch bis zum Ende durchzuziehen, egal, wie unglücklich man ist.

 

Bewerber sitzen am längeren Hebel

Dabei könnten es sich die Bewerber locker leisten, ihre Ausbildung abzubrechen und eine neue zu suchen. Anders als in den letzten Jahren wird in der aktuellen Studie deutlich: Der Markt hat sich zum Bewerber-Markt entwickelt. Der angehende Azubi von heute hat es gut, denn 46,4 Prozent der Schüler schreiben nur eine bis fünf Bewerbungen und 60 Prozent der Befragten erhalten mehr als ein Ausbildungsangebot. Für Unternehmen bedeutet das, die Bewerberkommunikation im Azubi-Recruiting auf den Prüfstand und ggf. auch auf den Kopf stellen zu müssen. Sind die Stellenanzeigen und die Inhalte der Karrierewebseiten so formuliert, dass sich junge Menschen angesprochen fühlen? Leider schmeißen viele Anzeigen noch mit hohlen Phrasen um sich – wer weiß denn schon als Schüler, was „selbstständiges Arbeiten“ im Kontext Beruf konkret bedeutet? Traurigerweise lassen sich Bewerber leicht von zu hoch aufgehängten Anforderungsprofilen in Stellenanzeigen abschrecken. 19,1 Prozent der Schüler bewerben sich nur, wenn sie alle Kriterien erfüllen. Das ist ärgerlich, weil es überhaupt nicht sein muss: Nur 2,3 Prozent der befragten Ausbilder geben an, vom Kriterienkatalog abweichende Bewerber konsequent auszusieben. Im Azubi-Recruiting fallen also viele potentiell gute Bewerber durchs Netz, weil sie sich selber zu schlecht einschätzen. Meine klare Empfehlung an Unternehmen: lieber mal den Ball flachhalten. Dazu gehört auch der Mut, in der Stellenanzeige Schwerpunkte zu setzen. Soll der perfekte Kandidat wirklich ein Mathe-Brain sein, oder sind am Ende nicht seine sozialen Fähigkeiten wichtiger?

Das komplette Ergebnis der Studie sowie die detaillierten Aussagen der jugendlichen Teilnehmer können Sie gegen einen kleinen Unkostenbeitrag hier herunterladen.

Lesen Sie außerdem, was unser Kollege Denis Buss, Spezialist für Employer Branding bei Jugendstil, im u-form-Interview zur Studie gesagt hat.

 

Über die Studie

Das Besondere an der jährlich erscheinenden Studie, die bereits zum fünften Mal von „u-form Testsysteme“ durchgeführt wurde, ist die Doppelperspektive: Es wurden Azubi-Bewerber und Auszubildende (2.635 Teilnehmer) auf der einen sowie Ausbildungsverantwortliche (903 Teilnehmer) auf der anderen Seite befragt. Entsprechend spannend sind die Erkenntnisse zum Azubi-Recruiting, zumal dieses Jahr noch eine dritte Perspektive dazu kam: Erstmals wurden auch 150 Eltern zu ihren Erfahrungen mit der Berufswahl ihrer Kinder befragt. Die Einstieg GmbH hat die Befragung als exklusiver Sourcing-Partner begleitet. Die Interviews mit den Eltern fanden im Februar 2017 auf der Berufswahlmesse „Einstieg Köln“ statt. Wissenschaftlich begleitet wurde die Azubi-Recruiting Trends 2017 durch die Hochschule Koblenz.

16 Jun

Usability zum Vorzeigen: Der neue Webauftritt der FH Münster

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Die FH Münster hat ihre Webseiten für Studienbewerber einem Relaunch unterzogen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen! Ein junges, modernes Design trifft auf eine ausgeklügelte Nutzerführung und lässt die Herzen unserer Usabilityexperten höher schlagen. Jugendstil hat nach dem Relaunch der FH Münster im Rahmen einer Expertenevaluation noch einen abschließenden Blick auf die Usability der Seiten geworfen. Wir finden, der Hochschule ist ein Vorzeigeprojekt in Sachen Hochschulmarketing und Online-Rekrutierung gelungen. Bei Karsten Schäpermeier, dem Leiter der Hochschulkommunikation, haben wir im Interview Details zum Relaunch erfahren.

Herr Schäpermeier, was hat Sie dazu bewogen, Ihre Webseite zu überarbeiten?
Den eigentlichen Relaunch hatten wir schon im Herbst 2015. Damals haben wir die Technik und das Layout der Seiten bearbeitet und auf das Responsive Design umgestellt. Denn wir hatten eine neue Corporate Identity bekommen und damit auch ein neues Logo. Im Frühjahr 2017 haben wir ein neues Campus-Management-System eingeführt und den Bereich für Studienbewerber komplett überarbeitet. Unsere Aufgabe lag darin, dem User das Gefühl zu nehmen, zwischen verschiedenen Systemen hin- und herzuspringen. Er sollte Konsistenz spüren und im Dialog mit der Seite stärker geführt werden.

Wie sind Sie vorgegangen – haben Sie Usability-Tests durchgeführt?
Der heutige Stand ist das Produkt mehrerer Prozesse. In 2011 hatten wir schon mal einen Usability-Test für die Studiengangseiten durchgeführt. Mit zwei Fokusgruppen: zum einen mit studieninteressierten Schülern und zum anderen mit bereits Studierenden. Vieles, was dort an kritischen Nutzersituationen gefunden wurde, hat heute noch Bestand. Darüber hinaus haben wir bei der Einführung des neuen Campus-Management-Systems intensiv das Zusammenspiel unserer Webseite mit dem CMS getestet und diskutiert. Im Herbst 2017 wollen wir erneut Usability-Tests durchführen. Die Optimierung unserer Webseite ist ein laufender Prozess.

Haben Sie eigentlich auch ein Intranet?
Ja, wir haben eins – technisch betrachtet ist es eigentlich ein Extranet auf unseren Internetseiten. Das myFH-Portal, bei dem sich Studierende und Mitarbeiter registrieren können, soll sich als zentrale Anlaufstelle für interne Dinge etablieren.

Hat sich der Relaunch schon positiv auf Ihre Visits bzw. Pageimpressions ausgewirkt?
Ja, tatsächlich. Wir setzen ja auch ein Monitoringtool ein und konnten feststellen, dass der Mai 2017 die besten Pageimpressions der letzten zwei Jahre hatte. Was aber noch viel wichtiger ist: In diesem Zeitraum war die Absprungrate in dem Bereich, den wir aktuell überarbeitet haben, extrem niedrig.

Eine schöne Bestätigung dafür, dass Sie beim Relaunch viel richtig gemacht haben.
Das stimmt. Eine der signifikantesten Änderungen und besonders hilfreich für studieninteressierte Nutzer war die Anpassung in unseren Guides. Wir haben eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Bewerbungsprozess eingeführt. Denn der ist immer anders, abhängig z.B. davon, für welchen Studiengang Sie sich bewerben oder wo Sie die Hochschulzugangsberechtigung erworben haben.

Spiegelt sich die Überarbeitung der Guides schon in der Bewerberzahl und Bewerberqualität wider?
Das kann man zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht sagen. Überhaupt ist es schwierig, da eine Aussage zu treffen, denn zum einen läuft die Bewerbungsfrist für viele Studiengänge ja noch bis zum 15. Juli. Außerdem sind die Bewerberzahlen von vielen weiteren Faktoren abhängig, unter anderem davon, wie der Stand der Absolventen an den Schulen ist.

Wie viel Zeit hat der Relaunch in Anspruch genommen?
Wenn man Ideen und Vorkonzepte mit einrechnet, kann man von Jahren sprechen. Es ist ja ein ständiger Prozess, in dem wir uns befinden. Betrachtet man aber nur konkret die letzte Umstellung, hat das Projekt etwa drei bis vier Monate gedauert. Ohne Konzeptphase, nur die technische Umstellung.

Würden Sie beim nächsten Relaunch etwas anders machen?
Man findet ja immer etwas, um schneller, besser und effektiver zu werden. Beim aktuellen Relaunch ist hängengeblieben, dass man nicht nur Zeit für Tests einplant, sondern auch ausreichend Zeit danach, um Änderungen in allen System vorzunehmen, die betroffen sind.

Vielen Dank für das Gespräch!