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30 Jul

Jugendstil entwickelt Azubimarketing-Workshopreihe mit der IHK Mittleres Ruhrgebiet.

AzubimarketingFrau Dr. Fox, gemeinsam mit der Agentur Jugendstil entwickeln Sie eine Workshop-Reihe zum Azubimarketing, die mittelständische Unternehmen für das Thema Ausbildung begeistern soll. Wie kamen Sie zu der Idee?
Wir sind zu der Idee gekommen, weil wir festgestellt haben, dass das mittlere Ruhrgebiet entgegen der Region Sauer- und Münsterland immer noch eine Nachfrageregion ist. Also eigentlich dürften die Unternehmen gar keine Probleme haben, Azubis zu finden. Bei manchen Berufen hat man 100 Bewerber auf 40 Stellen. Das klingt ja erst mal gut für die Unternehmen. Wir stellen aber vermehrt fest, dass die Abbruchquote der Ausbildung hier höher ist, als wir vermutet hätten. Wir liegen im Jahresschnitt bei ca. 20% an Ausbildungen, die abgebrochen werden. Heißt also entweder, der Azubi hat den falschen Beruf gewählt, weil er sich was Anderes vorgestellt hat. Oder aber, das ist auch ein nicht unwesentlicher Grund, der Azubi passt nicht zum Unternehmen. Wir hatten das Gefühl, an dieser Schnittstelle müssen wir etwas tun. Wir machen auch schon ganz viel in Bezug auf den Übergang Schule-Beruf, da haben wir zahlreiche Projekte, die es den Schülern ermöglichen, den Berufsalltag einzelner Ausbildungen kennenzulernen. Aber was uns fehlte, war der Blick, wie finden Unternehmen den passenden Azubi, so dass die Abbruchquote sinkt. Da haben wir festgestellt, da sind nicht immer nur gute Schulabschlüsse gefragt, sondern auch Motivation, Disziplin, eine Passung zu Unternehmenskultur usw. Und die Unternehmen machen bislang in ihrer Ansprach der Azubis wenig Innovatives, das reicht einfach nicht mehr, wenn man möchte, dass sich die richtigen Leute bei einem bewerben. So kam uns die Idee zu diesem Projekt. Für das Konzept haben wir Jugendstil engagiert, weil wir Ihren Erfahrungsstand in Bezug auf die Beratung schätzen. Wir finden es gut, dass Sie auf Azubimarketing spezialisiert und da fachlich up to date sind.

Was zeichnet die Unternehmen Ihrer Region aus?
Wir haben vorwiegend mittelständische Unternehmen, also die meisten sind wirklich nicht größer als 250 Mitarbeiter, und dadurch ist dieses familiäre Miteinander in den Unternehmen, aber auch in dem Unternehmensnetzwerk, was hier eine große Rolle spielt, sehr wichtig. Wir haben einen positiven Lokalpatriotismus, also eine hohe Identifikation der Unternehmen mit der Region, vor allem in den inhabergeführten Unternehmen. Viel Bodenständigkeit, viel Verlässlichkeit, das ist typisch für das Ruhrgebiet und für Bochum noch mal ganz speziell. Die Unternehmen sind schon ganz bewusst an diesem Standort, nicht nur, weil die hier gewachsen sind, sondern weil das einfach von der Denkweise der Menschen her passt. Offen, ehrlich, bodenständig, familiär.

Es gab bereits eine Auftaktveranstaltung zur Vorbereitung der Workshop Themen. Was war Ihnen bei dieser Veranstaltung besonders wichtig?
Wichtig war uns, dass wir strukturiert an die Sache rangehen. Wir haben den Kreis auch über das Projektteam hinaus geöffnet, um die Expertise der anderen IHK-Kollegen einzuholen. Im Workshop haben wir die Ideen der Agentur mit den Erfahrungen unserer Ausbildungsberater in der IHK gespiegelt. Also ein bisschen Realitätscheck betrieben. Weil Sie ja schon Vorüberlegungen als Agentur angestellt hatten, und das konnten wir dann nochmal mit unseren Ausbildungsberatern besprechen, ob das tatsächlich so passt und ein richtiges Konzept für unsere Unternehmen ist.

Mit welchen Themen werden sich die Workshops beschäftigen?
Also das sind einmal moderne Recruiting-Strategien, auch sowas wie Empfehlungs-Marketing, Employer-Branding, Präsentationsmanagement, dann die Vermittlung von Spezialwissen, z.B. über Social-Media-Recruiting. Schön ist, dass auch immer wieder unsere Angebote integriert werden, wie beispielsweise der Azubi-Blog Durchstarter.de. Das ist ja auch ein Social-Media-Instrument. Wir werden mit den Unternehmen über Möglichkeiten der Live-Kommunikation sprechen, auch dort findet die Einbindung unserer Formate wie das des Ausbildungsbotschafters statt. Und zum Schluss geht es auch nochmal darum, wenn der potentielle Azubi einmal da ist, wie führe ich Bewerbungsgespräche? Wie findet die Auswahl statt? Wie meistere ich Krisen und kann Azubis fördern? Also eigentlich bilden wir den ganzen Prozess ab, vom Recruiting bis hin zur Begleitung in der Ausbildung. Und das immer eng an den Fragen und Fallbeispielen der Teilnehmer, deswegen ist es auch so ein begrenzter Teilnehmerkreis.

Wann und wie können sich Unternehmen für eine kostenlose Teilnahme an den Workshops bewerben?
Wir werden einen offenen Wettbewerb veranstalten, bei dem ein kleines Motivationsschreiben gefordert wird. Dieser Aufruf wird ab dem 1. September auf unserer Homepage zu finden sein und wird auch über die sozialen Medien gestreut. Wir haben ja eine Facebook-Seite, da haben wir über 700 Follower, das klingt erstmal nicht viel, aber das sind ja genau die passenden Unternehmen aus der Region, die uns folgen. Wir wählen am Ende 10 Unternehmen aus, die Anfang des Jahres 2019 an den umfangreichen Workshops teilnehmen dürfen.

Vielen Dank für das Gespräch.

27 Jul

Azubimarketing 2018 und 2030: Drei Fragen an Christian Tembrink von netspirits

AzubimarketingAls Profi für Bewegtbild-Marketing weiß Christian Tembrink, Geschäftsführer der Agentur netspirits, wie Sie mit Influencern und Videocontent bei Azubis in spe punkten! Auf dem Flügge Kongress für neues Azubimarketing am 4. September 2018 erzählt er uns etwas darüber in seinem Vortrag  „Darum wird Bewegtbild-Marketing zur Pflicht im HR“. Heute wollen wir erst mal von ihm wissen, wie er über das Azubimarketing der Zukunft denkt.

 

Herr Tembrink, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an heutige Schulabgänger denken – was ist anders im Vergleich zu Ihrer Schulzeit?
Ich wundere mich manchmal über die Gelassenheit, aber auch Planlosigkeit, was den späteren Job angeht. Die Planlosigkeit hatte ich selber auch, aber nicht die Ruhe, die Dinge auf mich zukommen zu lassen, wie sie vielleicht heute einige Schüler haben. Zumindest habe ich mir dann schon mal einen Studienplatz besorgt, obwohl ich noch nicht hundertprozentig sicher war, ob ich das wirklich mein Ding ist. Es gibt heute aber auch so viele Optionen, die man wahrnehmen kann. Das trägt dazu bei, dass es schwer ist, eine Wahl zu treffen.

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Ein gutes Azubimarketing kommt in 2018 nicht vorbei an….
…da zu sein, wo die Zielgruppe gerne ist! Dazu habe ich ein Beispiel, und zwar eine Kampagne der Allgäuer Überlandwerke. Da ging es zwar nicht um Recruiting, sondern um Kundengewinnung, aber der Punkt ist der gleiche. Die identifizierte Zielgruppe für den Energieversorger war: Kinder, die das Elternhaus verlassen, um in die erste eigene Wohnung zu ziehen. Der Projektverantwortliche hat über Reichweiten- und Klick-Tests im Netz schnell herausgefunden, dass Jugendliche nach allem Möglichen googeln, aber leider niemals nach „Stromanbieter“. Und sie klicken auch keine Banner an, die sich mit dem Thema Energie und Nachhaltigkeit beschäftigen. Dennoch ist das Thema für Schüler, die flügge werden, ja relevant. Also war klar, man versucht mal was Analoges. Auf Studentenpartys wurde eine Instagram-Promoaktion für die Allgäuer Überlandwerke gemacht.  Die Studenten konnten Fotos in witzigen Settings machen und diese auf Instagram posten oder per WhatsApp versenden. Der Slogan war „Mein erste eigene Bude – ich achte auch auf Energie“. Teil der Aktion war auch das Angebot: „Wenn du jetzt den Stromanbieter wechselst, bekommst du ein Geschenk!“. Am besten kam der Spätzle-Hobel als Geschenk an. Denn die Allgäuer lieben die Spätzle wie die Menschen im Ruhrgebiet ihre Currywurst oder die Kölner den Reibekuchen. Am Wochenende hab ich übrigens gelesen, dass RWE für das Azubimarketing einen speziellen Ausbildungstag veranstaltet, mit viel Programm und Sport, ein großes Event. Die Jobinfos sollen da auch eher entspannt mit einfließen, das Erlebnis steht erst mal im Vordergrund. So hat man gute Chancen, auch diejenigen zu erreichen, die keine Lust haben, im Netz lange nach Stellenanzeigen zu suchen.

Schießen wir uns gedanklich in das Jahr 2030: Wie sieht Ihre Zukunftsvision bzw. Ihr Wunsch in Bezug auf die Kommunikation von Unternehmen mit jugendlichen Bewerbern aus?
Extrem viel direkter, virtueller Dialog. Man bewirbt sich gar nicht mehr klassisch, sondern man unterhält sich via Skype direkt mit einem Personaler, es gibt ein kurzes Vorab-Interview, bevor man überhaupt zum eigentlichen Vorstellungsgespräch kommt. Ein virtuelles Abchecken. Ich glaube, da wird sich noch einiges tun. Es gibt auch schon Unternehmen, die Spiele als Assessment Center einsetzen. Anhand deiner Art zu spielen wird dann analysiert, wie du tickst und ob dein Charakter zum Job passt. Da hat ein Personaler mehr von als von einem Bewerbungsanschreiben, das man ja theoretisch auch von Mama oder von einem Profi schreiben lassen kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

03 Jul

Azubimarketing 2018 und 2030: Drei Fragen an Christine Uhlmann von der SINUS:akademie

Azubimarketing Sie finden, die ganze Generation Z über einen Kamm zu scheren, ist zu einfach? Das findet Christine Uhlmann von der SINUS:akademie auch. Auf dem Flügge Kongress für neues Azubimarketing am 4. September 2018 erklärt sie anhand der Sinus-Studie, warum Jugendliche einer Generation je nach Herkunftsmilieu doch ganz unterschiedlich ticken können. „Wie ticken Azubis? – Gen Z ist nicht gleich Gen Z“ lautet der Titel des Keynote-Vortrags.

Frau Uhlmann, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an heutige Schulabgänger denken – was ist anders im Vergleich zu Ihrer Schulzeit?
Wenige Schulabgänger – unzählige Möglichkeiten! Im Vergleich zu meinem Abi-Jahrgang sind junge Menschen, die ins Berufsleben starten, ein rares Gut geworden. Das war bei uns ganz anders. Und auf der anderen Seite haben heutige Jugendliche eine so große Vielfalt an Ausbildungsberufen und Studiengängen, dass ich es gut verstehen kann, wenn da die Entscheidung nicht leichtfällt! Zumal ich das Gefühl habe, dass die Schule nicht sehr gut auf diese Entscheidung vorbereitet: Jugendliche wünschen sich einen Beruf, der zu ihren Neigungen und Fähigkeiten passt. Das war zwar auch für mich ein wichtiges Kriterium, aber wenn ich den Jugendlichen in unseren Interviews so zuhöre, ist die Zeit für Hobbies, fürs Ausprobieren und Experimentieren knapper geworden. Und selbst wenn man sich entschieden hat, ist es 2018 beinahe unmöglich, die weitere Berufsbiografie zu planen. Wenn wir mit Jugendlichen sprechen, hört sich das oft so an, als stünden sie in einem großen Labyrinth, in dem man nur den nächsten Streckenabschnitt einsehen kann. Für manche Jugendliche ist das super – nach jeder Biegung eine Überraschung und gerne auch mal ein „Umweg“ – andere tun sich sehr schwer damit und wünschen sich mehr Geradlinigkeit, wie es bei früheren Generationen der Fall war.

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Ein gutes Azubimarketing kommt in 2018 nicht vorbei an….
…Zielgruppenorientierung! Das „Gießkannenprinzip“ funktioniert mit der Generation der heutigen Schulabgänger ganz bestimmt nicht mehr. Deshalb sollten Betriebe um die große Vielfalt von Lebenswelten wissen und sich mit deren Eigenheiten und Werten vertraut machen: Wie ticken die denn überhaupt und wie unterschiedlich ticken die, wenn es um Vorstellungen von Ausbildung oder Wünsche an die Zukunft geht? Das SINUS-Lebenswelt-Modell gibt hier viele Einblicke und zeigt: Oftmals lohnt es sich, gerade dort genauer hinzuschauen, wo man zunächst „blinde Flecken“ hat – bei denjenigen Jugendlichen, die eher fremd oder „anders“ erscheinen. Mindestens ebenso wichtig für das Azubimarketing ist es aber, sich auch über die eigenen Werte des Unternehmens im Klaren zu sein: Wofür stehen wir? Was macht uns und unsere Unternehmenskultur aus? Und dann gilt es, beides zusammenzubringen und dabei die Passgenauigkeit so groß wie möglich hinzubekommen. Wir empfehlen dafür, Praktika oder Orientierungstage anzubieten. Das gibt beiden Seiten die Möglichkeit, sich näher kennenzulernen und zu merken, ob es passt oder nicht. Und natürlich gehört dazu auch, die richtige Zielgruppe richtig anzusprechen – in einem persönlichen Gespräch auf der Ausbildungsmesse, durch eine originelle Stellenanzeige, über die Website usw. Ein passender Medienmix ist 2018 ebenfalls unerlässlich für gutes Azubimarketing.

Schießen wir uns gedanklich in das Jahr 2030: Wie sieht Ihre Zukunftsvision bzw. Ihr Wunsch in Bezug auf die Kommunikation von Unternehmen mit jugendlichen Bewerbern aus?
Im Jahr 2030 haben Unternehmen hoffentlich das große Potential erkannt, das in der jungen Generation steckt, und aufgehört, sich darüber zu wundern, dass die nachwachsende Generation so „anders“ ist als wir Erwachsenen. Für die jugendlichen Bewerberinnen und Bewerber wünsche ich mir, dass sie in der Schule, aber auch bei Praktika auf Menschen stoßen, die sie ernst nehmen und sich ausprobieren lassen und die ihnen immer wieder Rückmeldung geben, um die Orientierung zu erleichtern und frühzeitig zu merken, ob Berufsrichtung und Betrieb passen oder nicht. Und als Pädagogin habe ich natürlich auch den Wunsch, dass benachteiligte Jugendliche deutlich mehr in den Blick kommen als dies momentan der Fall ist. Statt sich an mangelnder Rechtschreibung aufzuhängen, werden 2030 hoffentlich deutlich mehr die Stärken und Ressourcen junger Menschen in den Blick genommen, sodass in viel größerem Maße auch die zum Zuge kommen, die nicht die besten Schulnoten mitbringen, dafür aber handwerkliche Stärken, Lust auf Arbeiten, Mut und Entschlossenheit.

Vielen Dank für das Gespräch!