12 Feb

Jugendstil-Studie „Spaß im Job von 9 bis 17 Uhr – Was Jugendlichen bei der Berufswahl wichtig ist“

Berufswahl

Die Frage „Was mache ich nach der Schule?“ treibt den meisten Jugendlichen den Schweiß auf die Stirn. Es ist nicht verwunderlich, dass das Thema Berufswahl gerne mal verdrängt wird. Doch irgendwann gibt es kein Entkommen mehr. Mit ein bisschen Glück erhalten die Schüler Unterstützung von einem Berufswahllehrer, der sie in ihrer Orientierungsphase begleitet. Dann geht es los mit dem Überlegen und Recherchieren – Mama, Opa, alle Freunde und Nachbarn werden konsultiert und Google soll die besten Berufe finden. Schnell wird klar: Möglichkeiten gibt es sehr viele. Viel zu viele. Es ist wahnsinnig schwer, sich auf etwas festzulegen.

Nach welchen Kriterien entscheiden sich Schüler für oder gegen einen Beruf? Wir wollten es herausfinden. Denn das interessiert nicht nur Jugend- und Arbeitsmarktforscher, sondern ganz besonders Ausbilder, Personaler und Hochschulmarketingleute. Um den Beweggründen bei der Entscheidung auf die Spur zu kommen, haben wir Jugendliche gebeten, die folgenden fünf Berufswahlkriterien für sich zu priorisieren:

  • Das Verhältnis von Arbeitszeit und Freizeit Zeit für Familie
  • Der Spaß an der Tätigkeit
  • Die Höhe der Bezahlung
  • Die Arbeitsplatzsicherheit
  • Die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten im Job

Was glauben Sie? Sind junge Menschen heute vor allem scharf aufs Geld? Nein! Das zentrale Ergebnis der Studie lautet: Unabhängig von Geschlecht, Alter und Schulform liefern sich die Faktoren „Spaß an der Tätigkeit“ und „Zeit für die Familie und Freizeit“ ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den ersten Platz. Der Faktor Spaß setzt sich so gut wie gegen alle anderen abgefragten Berufswahlkriterien durch. Das ist ein schönes Ergebnis! Aber es schafft auch ein Problem: Wie sollen die frischgebackenen Abiturienten den Berufsbeschreibungen im Internet entnehmen, wie viel Spaß ihnen der Beruf machen wird? Der Faktor Spaß wird nur im persönlichen Gespräch greifbar. Wenn jemand mit leuchtenden Augen von seinem Berufsalltag berichtet, weiß man zumindest: Potential für Spaß ist da. Will man noch näher ran an den Beruf, bestenfalls durch das eigene Erleben, sind Praktika von entscheidender Bedeutung.

Für Ausbilder, Personaler und Hochschulmarketingleute wird durch das Ergebnis einmal mehr deutlich, dass sich die Bewerberzahlen durch Hochglanzbroschüren allein nicht steigern lassen. Echtes Interesse entsteht, wenn die Schüler Tätigkeiten selber ausprobieren können. Treffen Sie Ihre junge Zielgruppe so oft wie möglich persönlich. Veranstalten Sie Tage der offenen Tür, die zu erlebnisreichen Workshops zum Kennenlernen der Berufe einladen. Schnappen Sie sich Ihre Azubis und Studenten und zeigen Sie gemeinsam mit ihnen auf Berufswahlmessen, was es heißt, für Sie zu arbeiten oder bei Ihnen zu studieren. Wenn Ihre Azubis in Videos berichten, was sie tagsüber machen, dürfen bewegte Bilder rund um die Tätigkeit und den Arbeitsplatz nicht fehlen. Das Schöne am Live-Kontakt ist außerdem: Die Aktionen, die Sie planen, schaffen in Ihren Sozialen Medien und auf Ihrer Karriereseite den perfekten Kommunikationsanlass. „Augenoptiker werden! Triff uns auf der Messe in Köln – wir zeigen dir, wie man Gläser schleift und wie ein Sehtest abläuft.“

Alle weiteren Ergebnisse, z.B. zum Thema Arbeitszeit, finden Sie in unserem ausführlichen Studienbericht.

An der Umfrage haben 250 Schüler zwischen 14 und 18 Jahren teilgenommen. Die Befragung fand im Rahmen eines Schulprojekts zur Berufsorientierung in NRW statt und wurde von Juni bis September 2018 an drei Schulen unterschiedlicher Schulformen durchgeführt.

28 Jan

Jugendstil gestaltet den Schülerkalender „Kopfstütze“

SchülerkalenderBereits vor zwei Jahren hatten wir das Vergnügen, den schönen Berufswahl-Schülerkalender „Kopfstütze“ für das Land Brandenburg redaktionell und grafisch zu betreuen. Wir freuen uns auf die neue Ausgabe, für die wir in diesen Tagen die Arbeit aufnehmen. Der Kalender wird im Sommer 2019 an die Schüler der 9. Klassen in Brandenburg verteilt.

Wer möchte, wirft einen Blick in die aktuelle Ausgabe.

21 Dez

Wie mutig muss Azubimarketing sein?

Azubimarketing

Nicht jede Azubimarketing-Kampagne ist auf die junge Zielgruppe zugeschnitten. Innovation und Spritzigkeit vermisst man leider auch häufig. Liegt es daran, dass Personaler es nicht besser wissen? Sicher nicht. Aber Veränderung kommt nicht von jetzt auf gleich, und sie braucht vor allem Mut. Genau darum geht es in dem Artikel „Wer wagt, gewinnt!“, den unsere Agenturchefin Judith Strücker für das Magazin Wir Ausbilder geschrieben hat. Best Practice inklusive, schauen Sie mal rein!

Wir wünschen wir Ihnen eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

10 Dez

Vor welchen Herausforderungen stehen Ausbilder heute? Michael Hanschmidt im Gespräch mit Jugendstil.

Ausbilder

Herr Hanschmidt, welchen Stellenwert haben Ausbilder heute? Werden sie gut geschult und betreut?
Ausbilder haben schon immer eine wichtige Position gehabt. Ihre besondere Verantwortung besteht neben dem Fachlichen und den betrieblichen Interessen darin, jungen Menschen ihre ersten prägenden Berufserfahrungen zu ermöglichen. Nun ist aber Vieles in Bewegung und nicht wenige Unternehmen haben dies jetzt adaptiert. Auf viele der gegenwärtigen Herausforderungen gibt es aber zunächst keine kausalen Antworten oder Instrumente. Da wären die veränderte Marktlage, der Wandel in der Attraktivität bestimmter Berufsbilder, Reifeverzögerungen und nicht zuletzt eine Ausdifferenzierung der Ausbildungsberufe. Man muss halt nach dem Prinzip Versuch-und-Irrtum vorgehen, da die jungen Menschen trotz aller vermeintlichen Generationsmerkmale individuell sind. Dazu müsste in „Ausbildungen der Ausbilder“ beispielsweise mehr Haltungs- und Verstehensarbeit und Hilfe im Nähe-Distanz-Verhalten stattfinden. Das Ganze an praxisnahen Beispielsituationen. In unseren Workshops erlebe ich hier in allen Branchen viel guten Willen aber auch eine große Verunsicherung. 

Mit welchen Herausforderungen sehen sich Ausbilder im Alltag konfrontiert?
Ausbilder werden in der Außensicht als eine eigene Berufsgruppe wahrgenommen. Dabei sind Ausbilder meist Mitarbeiter oder Führungskräfte des Unternehmens, die den Ausbilder-Job neben ihren normalen Aufgaben erledigen. Hier wird echt viel geleistet. Aktuell verändern sich in hohem Tempo die Rahmenbedingungen und die Zielgruppe der Auszubildenden erfordert veränderte Kompetenzen. Dadurch nimmt im Unternehmen die Notwendigkeit zu, der Ausbildung mehr Raum zu geben. Es geht vorwiegend immer noch um junge Leute die das alles zum ersten Mal machen. Die Liste der Herausforderungen ist lang und die Bandbreite ist deutlich gewachsen. Ausbildungsgruppen umfassen heute eine Altersspanne von 16 bis 28 Jahren. Leistungsfähige Auszubildende langweilen sich schnell, Andere brauchen plötzlich mal eben eine emotionale Unterstützung, ein Dritter quält sich durch die Berufsschule, Studienabbrecher lecken ihre Wunden. 

Was muss man bei der Ansprache der Generation Z beachten?
Nichts Spezielles, denn „Generation Z“ ist eher ein Modebegriff als die Bezeichnung für eine abgrenzbare Gruppe. Es geht um junge Leute, deren Lebenslage und deren Lebensentwürfe sich von denen früherer Generationen unterscheiden. Dazu gehört beispielsweise zu akzeptieren, dass Arbeit und Ausbildung nicht immer die erste Geige spielen und stärker als früher in das Gesamtkonzept persönlicher Werte und Interessen eingebettet werden müssen. Die gelebte Akzeptanz dieses „Andersseins“ finde ich übrigens wichtiger als eine sogenannte „jugendgerechte Ansprache“. Jugendlich sind die Auszubildenden selbst und darin in der Regel auch besser als wir. Ein positives Bild vom Erwachsensein kann man vor allem dadurch vermitteln dass man beweist, den jugendlichen Alltag und die jugendlichen Nöte zu kennen. Gleichzeitig ist man fähig, auf den gleichen Kanälen zu senden wie sie, allerdings ohne sich selbst dabei zum scheinjugendlichen Affen zu machen. Lebenslage eben. Zudem finde ich Authentizität wichtig. Alle Berufsfelder haben Chancen und auch Grenzen. Einen reinen Wettbewerb der Chancen finde ich unehrlich, denn gefühlt steht man hinterher als jemand da, der mehr versprochen hat als er halten konnte. Besser ist es, frühzeitig Erfahrungen mit Abgrenzung und Kritik zu machen und dabei zu lernen, dass Schwächen dazu da sind sich zu verbessern. 

Was heißt „erfolgreich ausbilden“ für Sie?
Haben Sie Tipps für die Praxis, die Ausbilder gleich umsetzen können?

Dazu im Moment vielleicht nur diese beiden Gedanken:

1. Die Ausbildung nicht als einen isolierten oder geschlossenen Bereich sehen. Was war davor und was kommt danach? Eine Partnerschule kann viele gute Vorinformationen geben, wenn man gut im Kontakt ist. Man kann dann schnell helfen oder sich schon vor der Entstehung von Problemen darauf einstellen.

2. Wenn wir eine differenzierte variantenreiche Ausbildung haben, wie schaffen wir es dann, die jungen Leute zu halten und nicht in ein schwarzes Alltagsloch zu stoßen. Die Bedürfnisse bleiben ja doch oft gleich. Wir benötigen also Förderformate, die den jungen Menschen dabei helfen, ihre Entwicklungsaufgaben zu lösen und zwar auch dann, wenn der gesellschaftliche Status dadurch nicht gleich ansteigt.

Bei meinen Eltern war das noch klar getrennt: Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Heute mischen sich die Lebensthemen in allen Bereichen. Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen Arbeitsplatz und Privatbereich verschwimmt zusehends, Privates wird öffentlich und umgekehrt. Damit müssen wir umzugehen lernen, sonst werden wir viele Leute mit Potenzial verlieren.

Zuletzt noch Folgendes: Der Markt ist recht eng, und wenn man wenig Bewerbungen hat oder auch mal Auszubildende verliert, dann ist man noch nicht gleich ein schlechter Ausbilder oder ein unattraktives Unternehmen. In der Bundesliga können auch alle kicken, aber in der Tabelle steht man ab und zu auch mal unten. Kann passieren. Nur die Mannschaft, die dann in Ich-Denken und Zweifel zerfällt, steigt ab.

Danke für das Gespräch!

 

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Michael Hanschmidt ist gelernter Erzieher und Sozialarbeiter. In 2002 gründete er das Kölner Büro für Zukunft. Er kennt sich bestens mit Ausbildern und Azubis und der gelungenen Kommunikation zwischen beiden Gruppen aus. Seine Workshops sind spannend, interaktiv und stets für eine Überraschung gut.

25 Sep

Wollmilchsau Online Recruiting Studie 2018: Mobile Bewerbung? Fehlanzeige!

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In der aktuellen Ausgabe der Wollmilchsau Online Recruiting Studie 2018 werden zum 6. Mal die Karriereangebote der 160 im DAX notierten Unternehmen unter die Lupe genommen. Wie steht es um die geräteübergreifende Candidate Journey? Untersucht wurden im Zeitraum von Juni bis Juli 2018 jeweils die Karriereseite, die Jobbörse, die Stellenanzeigen und das Bewerbungsformular der Unternehmen. Das auffälligste Ergebnis: Nach vier Jahren Aufwärtstrend im mobile Recruiting haben sich die Werte nun erstmals nicht verbessert und teilweise sogar verschlechtert. Zwar haben 80 Prozent der Unternehmen eine mobiloptimierte Karriereseite zu bieten und  73 Prozent machen auch ihre Jobbörse für mobile Endgeräte fit. Doch in dem Moment, in dem es an die mobile Bewerbung geht, bricht der Wert ein: Nur 39 Prozent der Unternehmen lassen die Bewerbung über das Smartphone zu. Bei der Gestaltung der Bewerbungsformulare sieht es ähnlich mau aus. Im Schnitt muss sich ein Bewerber durch 9 Pflichtfelder arbeiten. Knapp ein Drittel der Bewerber wird zur Registrierung verpflichtet, bevor der Bewerbungsprozess überhaupt startet. Die Bewerbung via Xing lässt nur etwa jedes sechste Unternehmen zu, die One-Click-Bewerbung jedes fünfte.

Die Karriereseiten optimieren kann man natürlich nur, wenn man über aussagekräftige Nutzerdaten verfügt. Aber nur 46 Prozent der Unternehmen setzen ein Analytics-Programm ein. Dieser Wert hat sich im Vergleich zu 2017 deutlich verschlechtert, was Wollmilchsau unter anderem auf die Datenschutzgrundverordnung zurückführt, die die lückenlose Messbarkeit der Candidate Journey seit Mai 2018 erheblich erschwert.

Die ganze Studie lesen?  https://wollmilchsau.de/studien/

06 Sep

Eine inspirierende Premiere: Das war der Flügge Kongress 2018

IMG_2516Bei sonnigem Wetter haben sich am 4. und 5. September 80 neugierige Personaler, Ausbilder und Marketingmenschen auf den Weg in den Kölner Mediapark gemacht, um sich auf dem Flügge Kongress über die Trends im Azubimarketing auszutauschen und Neues zu entdecken. Das Hack-Institut hat die ankommenden Besucher bereits im Vorraum mit spannenden interaktiven Exponaten begrüßt. Mit dabei: eine Augmented-Reality-Erfahrung und ein Persönlichkeitstest (aha, ich bin also der „Erfinder“-Typ). Ein weiteres Highlight im Foyer war definitiv die Social Vending Machine, die der Bayerische Handwerkstag im Gepäck hatte: Für ein Selfie mit dem Hashtag fluegge18 gab es eine leckere Überraschung aus dem Süßigkeitsautomaten. Während einige gut gelaunte Teilnehmer in die Kamera  strahlten, um Schokolade zu ergattern, tüftelten andere Besucher an der Crafty Battle Box. Auch das eine Erfindung der Handwerkskammer: Mit handwerklichem Geschick und Ideenreichtum ging es hier darum, sich aus einem Raum zu befreien, wie man es aus Escape-Rooms kennt.

Eröffnet wurde der Flügge Kongress von Gen-Z-Profi Christine Uhlmann (SINUS akademie). Sie erklärte den Teilnehmern anhand der Sinus-Studie, warum Jugendliche einer Generation je nach Herkunftsmilieu sehr unterschiedliche Wertvorstellungen und Träume haben. Bevor man eine Azubimarketingkampagne startet, müsse man sich deshalb zum Beispiel genau überlegen, ob man eher eine konservative Gruppe Jugendlicher erreichen möchte oder eine hedonistische. Wie geht man überhaupt mit einer Generation um, die auf nichts mehr warten muss, da man alles quasi über Nacht im Netz bestellen kann? Der ungeduldigen Ich-Ich-Ich-Generation, wie Ali Mahlodji von whatchado.com sie nennt, sehe man auf den ersten Blick nicht an, dass es ihr häufig an Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten fehle. Gedeihen könnten Azubis aus dieser Generation nur in einem Arbeitsklima, das von Vertrauen und Kommunikation auf Augenhöhe geprägt sei. Geld ist übrigens nicht das, wonach sich die Generation Z sehnt. Eine erfüllende Aufgabe und die Vereinbarkeit von Job, Freizeit und Familie stehen für Jugendliche heute an erster Stelle. Aber wie gesagt: Das gilt natürlich nicht für jeden Jugendlichen, der heute ins Berufsleben startet. Es ist lediglich der Versuch, Trends zu erkennen. Um junge Menschen heute für eine Ausbildung zu begeistern, kann man sich digitale Entwicklungen wunderbar zu Nutze machen. Jo Diercks vom Testentwickler Cyquest stellte den Teilnehmern Best-Practice-Beispiele aus dem Recruitainment vor. Mit unterhaltsamen Berufsorientierungsspielen gelingt es zum Beispiel einem Supermarkt, den Ausbildungsberuf des Einzelhandelskaufmanns erlebbar zu machen. Wie sortiert man das Gemüse? Wie läuft die Bestellung der Ware ab? Einige Schüler merken vielleicht schon während der Interaktion, dass der Beruf nicht zu ihnen passt. Das sei auch gut so, meint Diercks, so schaffe man im Vorfeld eine wichtige Selektion. „Eine nicht erfolgte Bewerbung ist ein Recruitingerfolg, wenn der Bewerber nicht passt!“ Um zu checken, ob ein Schüler auch kulturell zum Unternehmen passt, hat Cyquest den so genannten Kulturmatcher entwickelt. Grundsätzlich orientierten sich Jugendliche heute gerne an Klischees, um die Komplexität in der Berufswahl zu vereinfachen.

In einer Sache waren sich alle Teilnehmer und Referenten einig: Wer auf seine Ausbildung aufmerksam machen möchte, muss Mut beweisen! Mit einem schlichten „Komm doch zu uns, wir bieten dir eine abwechslungsreiche Ausbildung“ ist es nicht mehr getan. Das Kölner Krankenhaus „Porz am Rhein“ hat letztes Jahr für alle interessierten Schüler ein WhatsApp-Praktikum angeboten und damit den ersten Platz im 1. Platz beim bundesweiten KU Award gewonnen (in der Kategorie „Employer Marketing“). Mit Fotos, Videos und Audionachrichten gaben verschiedene Mitarbeiter einen authentischen Live-Einblick in ihren Arbeitsalltag und den Jugendlichen damit eine echte Entscheidungshilfe. Die Aktion kam beim Nachwuchs super an und hat Praktika-Anfragen deutlich erhöht. Mutig und erfinderisch zeigt sich auch jedes Jahr aufs Neue der Bayerische Handwerkstag. Für die Azubi-Kampagne „Ich mach’s euch“ hat der Handwerkstag in 2017 zahlreiche Preise abgeräumt und erfahren, dass es sich lohnt, ungewöhnliche Wege zu gehen.  Auch, wenn es bei einem derart provokativen Claim natürlich intern anfangs viel Gegenwind gab, wie die Referentin Manuela Koneczny aus dem Nähkästchen plauderte.

Die Teilnehmer durften außerdem von Chris Tembrink (netspirits) viele praktische Tipps rund um Videocontent mit nachhause nehmen, durch das Hack-Institut den Nutzen von Virtual Reality im Azubimarketing kennen lernen und beim Vortrag von Talentcube erleben, wie einfach und faszinierend der Einsatz von Videobewerbungen ist. Michael Hanschmidt vom Büro für Zukunft hat in seinen Workshops ordentlich die Werbetrommel für den Mut zu Fehlern gerührt. Wer Azubis wachsen lassen wolle, müsse ihnen etwas zutrauen und es aushalten, dass auch mal was schief geht. So ist die Aufforderung, mutig zu sein, sogar im doppelten Sinne, ganz klar unser Fazit für den Flügge Kongress 2018! Wir danken allen Teilnehmern und Referenten für zwei inspirierende Tage, in denen nicht nur lebhaft diskutiert, sondern auch viel gelacht wurde.

Werfen Sie auf der Kongresseite einen Blick auf das vollständige Programm. In Kürze finden Sie dort auch eine Bildergalerie und einen Veranstaltungsfilm!

Der nächste Flügge Kongress findet am 12. und 13. September 2019 statt.

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24 Aug

Azubimarketing 2018 und 2030: Drei Fragen an Michael Hanschmidt aus dem Büro für Zukunft

hanschmidt 1 cAuf dem Flügge Kongress für neues Azubimarketing am 5. September 2018 zeigt Ihnen Michael Hanschmidt aus dem Büro für Zukunft, wie Sie Auszubildenden eine Fehlerkultur ermöglichen können, ohne gleich das Unternehmen zu ruinieren. Ein Workshop mit Mitmachgarantie!

Herr Hanschmidt, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an heutige Schulabgänger denken – was ist anders im Vergleich zu Ihrer Schulzeit?
Ach Gott, das ist ja lange her. Ich kann mich an Berufsorientierung oder so was natürlich nicht erinnern. Das lief alles familiär ab. Meine Mutter war Pressereferentin bei Bertelsmann, so dass man darüber natürlich einen weiteren Horizont bekam. In dem ländlichen Umfeld, in dem ich aufgewachsen bin, kann ich aber sagen, dass jeder eigentlich seine Chance hatte. Aus meiner Realschulklasse sind genau drei Leute weg gezogen. Einer davon sitzt hier gerade. Damit komme ich zurück zur Frage: Ich denke, viele sind „besser“ als ihr Ruf, sind aber mit den Optionen überfordert. In unseren Veranstaltungen sitzen doch viele Verunsicherte, die spüren, dass die Summe an Informationen ihnen nur bedingt weiterhilft. Für die Frage „Was bedeutet das alles für mich?“ brauche ich dann doch ein „Gegenüber“, der mir hilft, alles einzuordnen, Dinge zu verknüpfen und für mich zu bewerten. Sorge macht mir auch die unterschiedlichen Teilhabemöglichkeiten. Hier spreizt sich die Gesellschaft. Die eine Gruppe kann sich unter den vielen tollen Dingen einfach nicht entscheiden und die anderen haben Unruhe und „Frust“, weil sie die Möglichkeiten kennen, aber zunächst keinen Zugang haben. Das kann auf Dauer nicht so bleiben, denn auch für die Unternehmen ist das am Ende ein Nullsummenspiel, weil die einen flüchtig sind und sich nicht binden und die anderen sich gar nicht erst bewerben oder Ressentiments entwickeln. Historisch war es so, dass das Ende der Schulzeit so etwas wie ein gewisses Ende von Jugend war. Das können wir heute nicht mehr halten, denn Reife entwickelt sich gegenwärtig langsamer oder muss sogar neu definiert werden. Interessant ist es bei Schulabgängern heute vielleicht noch, dass wir als „Große“ den Schulabgängern mit dem besten Abschluss ein gesellschaftlich anerkanntes „Moratorium“ gönnen, während wir diejenigen mit schwierigen Startchancen früh ins Wasser werfen und hoffen, dass Sie nicht untergehen. Keine  Lösung habe ich bislang für die Formel: „Möchte viel Geld verdienen und viel Freizeit haben.“ Ich tröste mich immer damit, dass dies natürlich zunächst auf einem Bild beruht und dann durch Erfahrungen relativiert wird.

Bitte vervollständige folgenden Satz: Ein gutes Azubimarketing kommt in 2018 nicht vorbei an….
…guter Ausbildungsqualität! Die Realität muss dem Recruiting standhalten.

Schießen wir uns gedanklich in das Jahr 2030: Wie sieht Ihre Zukunftsvision bzw. Ihr Wunsch in Bezug auf die Kommunikation von Unternehmen mit jugendlichen Bewerbern aus?
Oh je, da bin ich ja gar nicht so der Fachmann sondern eher der Didaktiker. Ich denke aber, dass vom „Style“ her die Top Down Kommunikation am Ende sein sollte. Jeder in diesem Prozess ist Experte und zwar für seine Rolle und Lebenslage. Das sollten beide Seiten akzeptieren. Menschen mit verschränkten Armen hinter Messeständen gibt es dann nicht mehr. Im Sinne der oben genannten Argumentation sind dann auch die Themen anders: Nicht „welchen Abschluss hast du“, sondern „was kannst du und was interessiert dich wirklich“. Die jungen Menschen haben aber auch den Auftrag, den Zukunftsangeboten eine echte Aufgeschlossenheit zu geben und nicht Branchen vorab auszuschließen aufgrund ihres Images. Das ist übrigens eine Innovationsaufgabe an die Berufsorientierung. Am Ende interessieren wir uns dann mehr für Identitäten und Menschen und weniger für Zertifikate und so`n Zeug.