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28 Jan

Jugendstil gestaltet den Schülerkalender „Kopfstütze“

SchülerkalenderBereits vor zwei Jahren hatten wir das Vergnügen, den schönen Berufswahl-Schülerkalender „Kopfstütze“ für das Land Brandenburg redaktionell und grafisch zu betreuen. Wir freuen uns auf die neue Ausgabe, für die wir in diesen Tagen die Arbeit aufnehmen. Der Kalender wird im Sommer 2019 an die Schüler der 9. Klassen in Brandenburg verteilt.

Wer möchte, wirft einen Blick in die aktuelle Ausgabe.

21 Dez

Wie mutig muss Azubimarketing sein?

Azubimarketing

Nicht jede Azubimarketing-Kampagne ist auf die junge Zielgruppe zugeschnitten. Innovation und Spritzigkeit vermisst man leider auch häufig. Liegt es daran, dass Personaler es nicht besser wissen? Sicher nicht. Aber Veränderung kommt nicht von jetzt auf gleich, und sie braucht vor allem Mut. Genau darum geht es in dem Artikel „Wer wagt, gewinnt!“, den unsere Agenturchefin Judith Strücker für das Magazin Wir Ausbilder geschrieben hat. Best Practice inklusive, schauen Sie mal rein!

Wir wünschen wir Ihnen eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

06 Sep

Eine inspirierende Premiere: Das war der Flügge Kongress 2018

IMG_2516Bei sonnigem Wetter haben sich am 4. und 5. September 80 neugierige Personaler, Ausbilder und Marketingmenschen auf den Weg in den Kölner Mediapark gemacht, um sich auf dem Flügge Kongress über die Trends im Azubimarketing auszutauschen und Neues zu entdecken. Das Hack-Institut hat die ankommenden Besucher bereits im Vorraum mit spannenden interaktiven Exponaten begrüßt. Mit dabei: eine Augmented-Reality-Erfahrung und ein Persönlichkeitstest (aha, ich bin also der „Erfinder“-Typ). Ein weiteres Highlight im Foyer war definitiv die Social Vending Machine, die der Bayerische Handwerkstag im Gepäck hatte: Für ein Selfie mit dem Hashtag fluegge18 gab es eine leckere Überraschung aus dem Süßigkeitsautomaten. Während einige gut gelaunte Teilnehmer in die Kamera  strahlten, um Schokolade zu ergattern, tüftelten andere Besucher an der Crafty Battle Box. Auch das eine Erfindung der Handwerkskammer: Mit handwerklichem Geschick und Ideenreichtum ging es hier darum, sich aus einem Raum zu befreien, wie man es aus Escape-Rooms kennt.

Eröffnet wurde der Flügge Kongress von Gen-Z-Profi Christine Uhlmann (SINUS akademie). Sie erklärte den Teilnehmern anhand der Sinus-Studie, warum Jugendliche einer Generation je nach Herkunftsmilieu sehr unterschiedliche Wertvorstellungen und Träume haben. Bevor man eine Azubimarketingkampagne startet, müsse man sich deshalb zum Beispiel genau überlegen, ob man eher eine konservative Gruppe Jugendlicher erreichen möchte oder eine hedonistische. Wie geht man überhaupt mit einer Generation um, die auf nichts mehr warten muss, da man alles quasi über Nacht im Netz bestellen kann? Der ungeduldigen Ich-Ich-Ich-Generation, wie Ali Mahlodji von whatchado.com sie nennt, sehe man auf den ersten Blick nicht an, dass es ihr häufig an Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten fehle. Gedeihen könnten Azubis aus dieser Generation nur in einem Arbeitsklima, das von Vertrauen und Kommunikation auf Augenhöhe geprägt sei. Geld ist übrigens nicht das, wonach sich die Generation Z sehnt. Eine erfüllende Aufgabe und die Vereinbarkeit von Job, Freizeit und Familie stehen für Jugendliche heute an erster Stelle. Aber wie gesagt: Das gilt natürlich nicht für jeden Jugendlichen, der heute ins Berufsleben startet. Es ist lediglich der Versuch, Trends zu erkennen. Um junge Menschen heute für eine Ausbildung zu begeistern, kann man sich digitale Entwicklungen wunderbar zu Nutze machen. Jo Diercks vom Testentwickler Cyquest stellte den Teilnehmern Best-Practice-Beispiele aus dem Recruitainment vor. Mit unterhaltsamen Berufsorientierungsspielen gelingt es zum Beispiel einem Supermarkt, den Ausbildungsberuf des Einzelhandelskaufmanns erlebbar zu machen. Wie sortiert man das Gemüse? Wie läuft die Bestellung der Ware ab? Einige Schüler merken vielleicht schon während der Interaktion, dass der Beruf nicht zu ihnen passt. Das sei auch gut so, meint Diercks, so schaffe man im Vorfeld eine wichtige Selektion. „Eine nicht erfolgte Bewerbung ist ein Recruitingerfolg, wenn der Bewerber nicht passt!“ Um zu checken, ob ein Schüler auch kulturell zum Unternehmen passt, hat Cyquest den so genannten Kulturmatcher entwickelt. Grundsätzlich orientierten sich Jugendliche heute gerne an Klischees, um die Komplexität in der Berufswahl zu vereinfachen.

In einer Sache waren sich alle Teilnehmer und Referenten einig: Wer auf seine Ausbildung aufmerksam machen möchte, muss Mut beweisen! Mit einem schlichten „Komm doch zu uns, wir bieten dir eine abwechslungsreiche Ausbildung“ ist es nicht mehr getan. Das Kölner Krankenhaus „Porz am Rhein“ hat letztes Jahr für alle interessierten Schüler ein WhatsApp-Praktikum angeboten und damit den ersten Platz im 1. Platz beim bundesweiten KU Award gewonnen (in der Kategorie „Employer Marketing“). Mit Fotos, Videos und Audionachrichten gaben verschiedene Mitarbeiter einen authentischen Live-Einblick in ihren Arbeitsalltag und den Jugendlichen damit eine echte Entscheidungshilfe. Die Aktion kam beim Nachwuchs super an und hat Praktika-Anfragen deutlich erhöht. Mutig und erfinderisch zeigt sich auch jedes Jahr aufs Neue der Bayerische Handwerkstag. Für die Azubi-Kampagne „Ich mach’s euch“ hat der Handwerkstag in 2017 zahlreiche Preise abgeräumt und erfahren, dass es sich lohnt, ungewöhnliche Wege zu gehen.  Auch, wenn es bei einem derart provokativen Claim natürlich intern anfangs viel Gegenwind gab, wie die Referentin Manuela Koneczny aus dem Nähkästchen plauderte.

Die Teilnehmer durften außerdem von Chris Tembrink (netspirits) viele praktische Tipps rund um Videocontent mit nachhause nehmen, durch das Hack-Institut den Nutzen von Virtual Reality im Azubimarketing kennen lernen und beim Vortrag von Talentcube erleben, wie einfach und faszinierend der Einsatz von Videobewerbungen ist. Michael Hanschmidt vom Büro für Zukunft hat in seinen Workshops ordentlich die Werbetrommel für den Mut zu Fehlern gerührt. Wer Azubis wachsen lassen wolle, müsse ihnen etwas zutrauen und es aushalten, dass auch mal was schief geht. So ist die Aufforderung, mutig zu sein, sogar im doppelten Sinne, ganz klar unser Fazit für den Flügge Kongress 2018! Wir danken allen Teilnehmern und Referenten für zwei inspirierende Tage, in denen nicht nur lebhaft diskutiert, sondern auch viel gelacht wurde.

Werfen Sie auf der Kongresseite einen Blick auf das vollständige Programm. In Kürze finden Sie dort auch eine Bildergalerie und einen Veranstaltungsfilm!

Der nächste Flügge Kongress findet am 12. und 13. September 2019 statt.

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30 Jul

Jugendstil entwickelt Azubimarketing-Workshopreihe mit der IHK Mittleres Ruhrgebiet.

AzubimarketingFrau Dr. Fox, gemeinsam mit der Agentur Jugendstil entwickeln Sie eine Workshop-Reihe zum Azubimarketing, die mittelständische Unternehmen für das Thema Ausbildung begeistern soll. Wie kamen Sie zu der Idee?
Wir sind zu der Idee gekommen, weil wir festgestellt haben, dass das mittlere Ruhrgebiet entgegen der Region Sauer- und Münsterland immer noch eine Nachfrageregion ist. Also eigentlich dürften die Unternehmen gar keine Probleme haben, Azubis zu finden. Bei manchen Berufen hat man 100 Bewerber auf 40 Stellen. Das klingt ja erst mal gut für die Unternehmen. Wir stellen aber vermehrt fest, dass die Abbruchquote der Ausbildung hier höher ist, als wir vermutet hätten. Wir liegen im Jahresschnitt bei ca. 20% an Ausbildungen, die abgebrochen werden. Heißt also entweder, der Azubi hat den falschen Beruf gewählt, weil er sich was Anderes vorgestellt hat. Oder aber, das ist auch ein nicht unwesentlicher Grund, der Azubi passt nicht zum Unternehmen. Wir hatten das Gefühl, an dieser Schnittstelle müssen wir etwas tun. Wir machen auch schon ganz viel in Bezug auf den Übergang Schule-Beruf, da haben wir zahlreiche Projekte, die es den Schülern ermöglichen, den Berufsalltag einzelner Ausbildungen kennenzulernen. Aber was uns fehlte, war der Blick, wie finden Unternehmen den passenden Azubi, so dass die Abbruchquote sinkt. Da haben wir festgestellt, da sind nicht immer nur gute Schulabschlüsse gefragt, sondern auch Motivation, Disziplin, eine Passung zu Unternehmenskultur usw. Und die Unternehmen machen bislang in ihrer Ansprach der Azubis wenig Innovatives, das reicht einfach nicht mehr, wenn man möchte, dass sich die richtigen Leute bei einem bewerben. So kam uns die Idee zu diesem Projekt. Für das Konzept haben wir Jugendstil engagiert, weil wir Ihren Erfahrungsstand in Bezug auf die Beratung schätzen. Wir finden es gut, dass Sie auf Azubimarketing spezialisiert und da fachlich up to date sind.

Was zeichnet die Unternehmen Ihrer Region aus?
Wir haben vorwiegend mittelständische Unternehmen, also die meisten sind wirklich nicht größer als 250 Mitarbeiter, und dadurch ist dieses familiäre Miteinander in den Unternehmen, aber auch in dem Unternehmensnetzwerk, was hier eine große Rolle spielt, sehr wichtig. Wir haben einen positiven Lokalpatriotismus, also eine hohe Identifikation der Unternehmen mit der Region, vor allem in den inhabergeführten Unternehmen. Viel Bodenständigkeit, viel Verlässlichkeit, das ist typisch für das Ruhrgebiet und für Bochum noch mal ganz speziell. Die Unternehmen sind schon ganz bewusst an diesem Standort, nicht nur, weil die hier gewachsen sind, sondern weil das einfach von der Denkweise der Menschen her passt. Offen, ehrlich, bodenständig, familiär.

Es gab bereits eine Auftaktveranstaltung zur Vorbereitung der Workshop Themen. Was war Ihnen bei dieser Veranstaltung besonders wichtig?
Wichtig war uns, dass wir strukturiert an die Sache rangehen. Wir haben den Kreis auch über das Projektteam hinaus geöffnet, um die Expertise der anderen IHK-Kollegen einzuholen. Im Workshop haben wir die Ideen der Agentur mit den Erfahrungen unserer Ausbildungsberater in der IHK gespiegelt. Also ein bisschen Realitätscheck betrieben. Weil Sie ja schon Vorüberlegungen als Agentur angestellt hatten, und das konnten wir dann nochmal mit unseren Ausbildungsberatern besprechen, ob das tatsächlich so passt und ein richtiges Konzept für unsere Unternehmen ist.

Mit welchen Themen werden sich die Workshops beschäftigen?
Also das sind einmal moderne Recruiting-Strategien, auch sowas wie Empfehlungs-Marketing, Employer-Branding, Präsentationsmanagement, dann die Vermittlung von Spezialwissen, z.B. über Social-Media-Recruiting. Schön ist, dass auch immer wieder unsere Angebote integriert werden, wie beispielsweise der Azubi-Blog Durchstarter.de. Das ist ja auch ein Social-Media-Instrument. Wir werden mit den Unternehmen über Möglichkeiten der Live-Kommunikation sprechen, auch dort findet die Einbindung unserer Formate wie das des Ausbildungsbotschafters statt. Und zum Schluss geht es auch nochmal darum, wenn der potentielle Azubi einmal da ist, wie führe ich Bewerbungsgespräche? Wie findet die Auswahl statt? Wie meistere ich Krisen und kann Azubis fördern? Also eigentlich bilden wir den ganzen Prozess ab, vom Recruiting bis hin zur Begleitung in der Ausbildung. Und das immer eng an den Fragen und Fallbeispielen der Teilnehmer, deswegen ist es auch so ein begrenzter Teilnehmerkreis.

Wann und wie können sich Unternehmen für eine kostenlose Teilnahme an den Workshops bewerben?
Wir werden einen offenen Wettbewerb veranstalten, bei dem ein kleines Motivationsschreiben gefordert wird. Dieser Aufruf wird ab dem 1. September auf unserer Homepage zu finden sein und wird auch über die sozialen Medien gestreut. Wir haben ja eine Facebook-Seite, da haben wir über 700 Follower, das klingt erstmal nicht viel, aber das sind ja genau die passenden Unternehmen aus der Region, die uns folgen. Wir wählen am Ende 10 Unternehmen aus, die Anfang des Jahres 2019 an den umfangreichen Workshops teilnehmen dürfen.

Vielen Dank für das Gespräch.

03 Jul

Azubimarketing 2018 und 2030: Drei Fragen an Christine Uhlmann von der SINUS:akademie

Azubimarketing Sie finden, die ganze Generation Z über einen Kamm zu scheren, ist zu einfach? Das findet Christine Uhlmann von der SINUS:akademie auch. Auf dem Flügge Kongress für neues Azubimarketing am 4. September 2018 erklärt sie anhand der Sinus-Studie, warum Jugendliche einer Generation je nach Herkunftsmilieu doch ganz unterschiedlich ticken können. „Wie ticken Azubis? – Gen Z ist nicht gleich Gen Z“ lautet der Titel des Keynote-Vortrags.

Frau Uhlmann, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an heutige Schulabgänger denken – was ist anders im Vergleich zu Ihrer Schulzeit?
Wenige Schulabgänger – unzählige Möglichkeiten! Im Vergleich zu meinem Abi-Jahrgang sind junge Menschen, die ins Berufsleben starten, ein rares Gut geworden. Das war bei uns ganz anders. Und auf der anderen Seite haben heutige Jugendliche eine so große Vielfalt an Ausbildungsberufen und Studiengängen, dass ich es gut verstehen kann, wenn da die Entscheidung nicht leichtfällt! Zumal ich das Gefühl habe, dass die Schule nicht sehr gut auf diese Entscheidung vorbereitet: Jugendliche wünschen sich einen Beruf, der zu ihren Neigungen und Fähigkeiten passt. Das war zwar auch für mich ein wichtiges Kriterium, aber wenn ich den Jugendlichen in unseren Interviews so zuhöre, ist die Zeit für Hobbies, fürs Ausprobieren und Experimentieren knapper geworden. Und selbst wenn man sich entschieden hat, ist es 2018 beinahe unmöglich, die weitere Berufsbiografie zu planen. Wenn wir mit Jugendlichen sprechen, hört sich das oft so an, als stünden sie in einem großen Labyrinth, in dem man nur den nächsten Streckenabschnitt einsehen kann. Für manche Jugendliche ist das super – nach jeder Biegung eine Überraschung und gerne auch mal ein „Umweg“ – andere tun sich sehr schwer damit und wünschen sich mehr Geradlinigkeit, wie es bei früheren Generationen der Fall war.

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Ein gutes Azubimarketing kommt in 2018 nicht vorbei an….
…Zielgruppenorientierung! Das „Gießkannenprinzip“ funktioniert mit der Generation der heutigen Schulabgänger ganz bestimmt nicht mehr. Deshalb sollten Betriebe um die große Vielfalt von Lebenswelten wissen und sich mit deren Eigenheiten und Werten vertraut machen: Wie ticken die denn überhaupt und wie unterschiedlich ticken die, wenn es um Vorstellungen von Ausbildung oder Wünsche an die Zukunft geht? Das SINUS-Lebenswelt-Modell gibt hier viele Einblicke und zeigt: Oftmals lohnt es sich, gerade dort genauer hinzuschauen, wo man zunächst „blinde Flecken“ hat – bei denjenigen Jugendlichen, die eher fremd oder „anders“ erscheinen. Mindestens ebenso wichtig für das Azubimarketing ist es aber, sich auch über die eigenen Werte des Unternehmens im Klaren zu sein: Wofür stehen wir? Was macht uns und unsere Unternehmenskultur aus? Und dann gilt es, beides zusammenzubringen und dabei die Passgenauigkeit so groß wie möglich hinzubekommen. Wir empfehlen dafür, Praktika oder Orientierungstage anzubieten. Das gibt beiden Seiten die Möglichkeit, sich näher kennenzulernen und zu merken, ob es passt oder nicht. Und natürlich gehört dazu auch, die richtige Zielgruppe richtig anzusprechen – in einem persönlichen Gespräch auf der Ausbildungsmesse, durch eine originelle Stellenanzeige, über die Website usw. Ein passender Medienmix ist 2018 ebenfalls unerlässlich für gutes Azubimarketing.

Schießen wir uns gedanklich in das Jahr 2030: Wie sieht Ihre Zukunftsvision bzw. Ihr Wunsch in Bezug auf die Kommunikation von Unternehmen mit jugendlichen Bewerbern aus?
Im Jahr 2030 haben Unternehmen hoffentlich das große Potential erkannt, das in der jungen Generation steckt, und aufgehört, sich darüber zu wundern, dass die nachwachsende Generation so „anders“ ist als wir Erwachsenen. Für die jugendlichen Bewerberinnen und Bewerber wünsche ich mir, dass sie in der Schule, aber auch bei Praktika auf Menschen stoßen, die sie ernst nehmen und sich ausprobieren lassen und die ihnen immer wieder Rückmeldung geben, um die Orientierung zu erleichtern und frühzeitig zu merken, ob Berufsrichtung und Betrieb passen oder nicht. Und als Pädagogin habe ich natürlich auch den Wunsch, dass benachteiligte Jugendliche deutlich mehr in den Blick kommen als dies momentan der Fall ist. Statt sich an mangelnder Rechtschreibung aufzuhängen, werden 2030 hoffentlich deutlich mehr die Stärken und Ressourcen junger Menschen in den Blick genommen, sodass in viel größerem Maße auch die zum Zuge kommen, die nicht die besten Schulnoten mitbringen, dafür aber handwerkliche Stärken, Lust auf Arbeiten, Mut und Entschlossenheit.

Vielen Dank für das Gespräch!

28 Jun

Azubi-Recruiting Trends 2017 – Schüler wollen persönlichen Kontakt zu Unternehmen

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Jetzt sind sie da, die Ergebnisse der Azubi-Recruiting Trends 2017. Da ist unter anderem zu lesen, dass die meisten Azubi-Bewerber online unterwegs sind, um sich über Ausbildungswege und freie Ausbildungsplätze zu informieren. Ok, das ahnten wir, oder? 59,4 Prozent der Schüler nutzen dafür „häufig“ oder „sehr häufig“ Suchmaschinen, 54,8 Prozent Karrierewebseiten und 40,9 Prozent das Onlineangebot der Agentur für Arbeit. Spannender liest sich, dass sich Bewerber den persönlichen Kontakt zum Unternehmen wünschen. Sie kaufen nicht gerne die Katze im Sack. Wir wissen das natürlich schon lange aus unserer Berufswahlmesse-Praxis, und ich freue mich, es mal wieder schwarz auf weiß zu lesen. 74,5 Prozent der Schüler finden Praktika „wichtig“ oder „sehr wichtig“! Blöderweise setzen nur 50,8 Prozent der Ausbildungsbetriebe Praktika „häufig“ oder sehr „häufig ein“. Beim Thema Probearbeiten driften die Werte noch stärker auseinander. 71,1 Prozent der angehenden Azubis wünschen sich, Praxisluft zu schnuppern, aber nur 30,8 Prozent der Ausbildungsbetriebe bieten diese Möglichkeit an. Liebe Unternehmen, hier liegt eure Chance! Bitte macht eure Ausbildung erlebbar. Wenn ich mir vorstelle, wie viel Ärger man sich durch Probearbeiten erspart, möchte ich sofort ein Gesetz einführen, das vorschreibt: kein Ausbildungsvertrag ohne 14 Tage Probearbeiten. Denn ist der Vertrag einmal unterschrieben, wird der Rückzug schwer. Trotz Probezeit. Zu groß ist die moralische Verpflichtung, die vermeintliche Traumausbildung nun auch bis zum Ende durchzuziehen, egal, wie unglücklich man ist.

 

Bewerber sitzen am längeren Hebel

Dabei könnten es sich die Bewerber locker leisten, ihre Ausbildung abzubrechen und eine neue zu suchen. Anders als in den letzten Jahren wird in der aktuellen Studie deutlich: Der Markt hat sich zum Bewerber-Markt entwickelt. Der angehende Azubi von heute hat es gut, denn 46,4 Prozent der Schüler schreiben nur eine bis fünf Bewerbungen und 60 Prozent der Befragten erhalten mehr als ein Ausbildungsangebot. Für Unternehmen bedeutet das, die Bewerberkommunikation im Azubi-Recruiting auf den Prüfstand und ggf. auch auf den Kopf stellen zu müssen. Sind die Stellenanzeigen und die Inhalte der Karrierewebseiten so formuliert, dass sich junge Menschen angesprochen fühlen? Leider schmeißen viele Anzeigen noch mit hohlen Phrasen um sich – wer weiß denn schon als Schüler, was „selbstständiges Arbeiten“ im Kontext Beruf konkret bedeutet? Traurigerweise lassen sich Bewerber leicht von zu hoch aufgehängten Anforderungsprofilen in Stellenanzeigen abschrecken. 19,1 Prozent der Schüler bewerben sich nur, wenn sie alle Kriterien erfüllen. Das ist ärgerlich, weil es überhaupt nicht sein muss: Nur 2,3 Prozent der befragten Ausbilder geben an, vom Kriterienkatalog abweichende Bewerber konsequent auszusieben. Im Azubi-Recruiting fallen also viele potentiell gute Bewerber durchs Netz, weil sie sich selber zu schlecht einschätzen. Meine klare Empfehlung an Unternehmen: lieber mal den Ball flachhalten. Dazu gehört auch der Mut, in der Stellenanzeige Schwerpunkte zu setzen. Soll der perfekte Kandidat wirklich ein Mathe-Brain sein, oder sind am Ende nicht seine sozialen Fähigkeiten wichtiger?

Das komplette Ergebnis der Studie sowie die detaillierten Aussagen der jugendlichen Teilnehmer können Sie gegen einen kleinen Unkostenbeitrag hier herunterladen.

Lesen Sie außerdem, was unser Kollege Denis Buss, Spezialist für Employer Branding bei Jugendstil, im u-form-Interview zur Studie gesagt hat.

 

Über die Studie

Das Besondere an der jährlich erscheinenden Studie, die bereits zum fünften Mal von „u-form Testsysteme“ durchgeführt wurde, ist die Doppelperspektive: Es wurden Azubi-Bewerber und Auszubildende (2.635 Teilnehmer) auf der einen sowie Ausbildungsverantwortliche (903 Teilnehmer) auf der anderen Seite befragt. Entsprechend spannend sind die Erkenntnisse zum Azubi-Recruiting, zumal dieses Jahr noch eine dritte Perspektive dazu kam: Erstmals wurden auch 150 Eltern zu ihren Erfahrungen mit der Berufswahl ihrer Kinder befragt. Die Einstieg GmbH hat die Befragung als exklusiver Sourcing-Partner begleitet. Die Interviews mit den Eltern fanden im Februar 2017 auf der Berufswahlmesse „Einstieg Köln“ statt. Wissenschaftlich begleitet wurde die Azubi-Recruiting Trends 2017 durch die Hochschule Koblenz.