Azubimarketing 2019 und 2030: Drei Fragen an Kerstin Staudtmeister von „Dialog Organisationsberatung“

AzubimarketingKerstin Staudtmeister und ihr Team wurden 2017 durch das Magazin Focus Money mit dem Titel „Bester Ausbildungsbetrieb Deutschlands im Bereich Bergbau“ gekürt. In ihrem Team arbeiten über 30 hauptamtliche Ausbilder. Sie ist Führungskraft von insgesamt 350 Mitarbeitern. Für ihren Workshop „Familiensache – Recruiting von Jugendlichen über die Ansprache der Eltern“ auf dem Flügge Kongress am 12. September bringt Frau Staudtmeister spannende Beispiele aus der Praxis mit. Heute schildert sie uns ihre Zukunftsvision zum Azubimarketing.

1. Frau Staudtmeister, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an heutige Schulabgänger denken – was ist anders im Vergleich zu Ihrer Schulzeit?
Ich hatte das große Glück, eine sehr gute Berufsorientierung in der Schule genossen zu haben. Ich wusste, was ich wollte, und war (meine Schulkameraden auch) nicht so orientierungslos wie die jungen Menschen heute. Und wir waren deutlich reifer und selbständiger. Das tut mir für heutige Schulabgänger leid. Denn jeder im Umfeld erwartet, dass sie mit dem Tag des Schulendes wissen, wie es weiter geht. Aber die wenigsten haben einen Plan oder eine Idee. Dadurch gehen viele von ihnen unnötige Umwege und brauchen zu lange, bis sie ihren Platz im Berufsleben finden.

2. Schießen wir uns gedanklich in das Jahr 2030: Wie sieht Ihre Zukunftsvision bzw. Ihr Wunsch in Bezug auf die Kommunikation von Unternehmen mit jugendlichen Bewerbern aus?
Im Jahr 2019 wird mein Enkel 15 Jahre alt sein. Für ihn und alle Gleichaltrigen wünsche und hoffe ich, dass sie bis dahin schon ganz viel ausprobieren konnten und dass es vielleicht über digitale Möglichkeiten ganz einfach ist, mit Unternehmen oder Institutionen in Kontakt zu kommen, um Schnuppertage, Praktika oder Projekte übers Smartphone zu organisieren, zu planen, durchzuführen. Dass es danach möglich ist, sich ganz einfach Berufe vor Ort anzuschauen, und dass sich die jungen Leute ausprobieren können.

3. Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Ein gutes Azubimarketing kommt in 2019 nicht vorbei an…
An den Kanälen, die Jugendliche nutzen, Instagram und Youtube, an echten tollen Erfahrungen, die öffentlich gestellt werden, und an der Überzeugung der Eltern. Und vor allem an Tempo, Transparenz, Verbindlichkeit und echter Nähe am Menschen im Recruiting-Prozess.

Vielen Dank für das Gespräch!

Schreiner oder Koch? München oder Köln? Bei dieser Entscheidung übernimmt der Bauch das Kommando. Es sind Emotionen und gute Geschichten, die still und heimlich die Berufswahl lenken. Auf dem Flügge Kongress am 12. und 13. September 2019 dreht sich alles um das Storytelling zu Ihrer Ausbildung. Die lebendige, interaktive Veranstaltung verspricht spannende Einblicke in die Praxis und findet im wunderschönen Sport- und Olympiamuseum statt. Das wollen Sie nicht verpassen? Jetzt anmelden!




Azubimarketing 2018 und 2030: Drei Fragen an Jörg Buckmann von „Buckmann gewinnt“

AzubimarketingJörg Buckmann unterstützt Firmen leidenschaftlich dabei, sich auf dem Arbeitsmarkt Gehör zu verschaffen – lustvoll, engagiert und immer mit einer guten Portion Humor. Er schwärmt von Unternehmen, die sich trauen, neue Wege zu gehen. Für seinen Vortrag „Wer hat’s erfunden? So geht die Schweiz auf Azubijagd“ auf dem Flügge Kongress am 13.09.2019 bringt er zur Inspiration eine Menge frechmutige Best Practices mit. Wir sind neugierig darauf, welche Visionen Jörg Buckmann zum Thema Azubimarketing hat. Deshalb haben wir ihm schon heute ein paar Fragen gestellt.

1. Herr Buckmann, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an heutige Schulabgänger denken – was ist anders im Vergleich zu Ihrer Schulzeit?
Ich habe den Eindruck, dass sie selbstbewusster sind. Und das gefällt mir. Ich staune nicht selten, wie auf eine ganz positive Art und Weise sie kecker sind als ich es damals war. Sie vielleicht weniger unnötigen (übergroßen) Respekt haben. Aber sonst sehe ich eigentlich weniger Unterschiede, als man beim Medienstudium meinen könnte. Einen guten Beruf haben, der interessant ist und Spaß macht. Eine nette Chefin und tolle Kameraden. Gute Arbeitszeiten vielleicht noch. Und privat: Reisen, erste Wohnung, Auto und, wenn’s geht, noch eine hübsche Freundin. Kommt mir irgendwie ziemlich bekannt vor…

2. Schießen wir uns gedanklich in das Jahr 2030: Wie sieht Ihre Zukunftsvision bzw. Ihr Wunsch in Bezug auf die Kommunikation von Unternehmen mit jugendlichen Bewerbern aus?
Hmm… in 11 Jahren also. Ich hoffe, dass man dann den Jungen noch mehr und bessere Möglichkeiten gibt, sich in der Berufswelt auszuprobieren. Zu erleben, wie es so ist in diesem oder jenem Beruf. Ich träume davon, dass Jugendliche ohne Anmeldung einfach mal reinschnuppern können. Einen Tag lang wenigstens. Vielleicht helfen bei dieser Vision ja die kommunikativen Möglichkeiten mit 360 Grad Videos oder Live-Chats. Wobei: Das gibt es ja heute schon. Vielleicht wird es ja in 11 Jahren möglich sein, sich immer dann, wenn ich Zeit und Lust habe, in eine Firma einzuloggen und einen Berufsbuddy beim Alltag zu begleiten. Aber eigentlich ist mein Wunsch viel bescheidener: Es sollte den Jugendlichen nur schon viel viel einfacher gemacht werden, in den Dialog mit den Unternehmen zu treten. So manche Karriere-Webseite macht auf mich noch immer eher den Eindruck, als hinge da ein „Please do not disturb“-Schild dran.

3. Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Ein gutes Azubimarketing kommt in 2019 nicht vorbei an…
Einer guten Portion Humor.

Vielen Dank für das Gespräch!




Live-Kommunikation, Karriereseite, Instagram – auf welche Rekrutierungsinstrumente setzen Unternehmen für ihr Azubimarketing? Wir haben Ausbildungsverantwortliche gefragt.

Rekrutierungsinstrumente

Welche Rekrutierungsinstrumente funktionieren am besten? Heute denkt man, Snapchat, das ist es! Morgen kommt einem das schon wieder falsch vor und man ist sich sicher, auf Stellenportale setzen zu müssen. Übermorgen sind es die Tage der offenen Tür, und so geht es immer weiter. Für die Suche nach den passenden Kandidaten gibt es nicht den einen, richtigen Weg. Entscheidend ist auch immer das Ziel: Drei Azubis in Eschweiler findet man über andere Kanäle als 50 duale Studenten in Hamburg.  Trotzdem wollten wir es wissen: Gibt es Kanäle, die besonders beliebt sind, weil sie den größten Erfolg versprechen, also die meisten Bewerbungen reinspülen?

Wir haben in den letzten Monaten die 141 Teilnehmer der Ausbildungsforen* in Berlin, Köln, Hamburg und München gefragt, welche Marketingkanäle für sie wichtig sind, wenn es um die Ansprache von potentiellen Azubis geht. Zur Auswahl standen 28 Rekrutierungsinstrumente, unter ihnen digitale Kanäle wie WhatsApp, die klassische Plakatwerbung oder persönliche Gespräche auf Ausbildungsmessen. Die Teilnehmer konnten die Kanäle mit „relevant“ oder „wenig relevant“ bewerten. Daraus ergaben sich zwei Rankings – eins zeigt die relevanten Kanäle auf und eins die wenig relevanten. Aus der Differenz dieser beiden Rankings entstand schließlich unsere Gesamtauswertung.

Starten wir mit der Top 10! Das sind die wichtigsten Marketingkanäle für die Schülerrekrutierung (je größer, desto wichtiger, na klar):

rekrutierungsinstrumente

 

 

  • Am stärksten setzen die Unternehmen auf die Wirkung ihrer eigenen Karriere-Webseite. Zu Recht – die meisten Schüler sehen sich erst mal auf der Unternehmensseite um, wenn sie sich über eine Ausbildung informieren möchten.
  • Der Live-Kontakt steht auch im digitalen Zeitalter immer noch hoch im Kurs: Den zweiten Platz im Rennen um den wichtigsten Kanal belegen Veranstaltungen an Schulen. Das können z.B. Workshops zur Berufswahl sein, die vom Unternehmen gesponsert und / oder durchgeführt werden.
  • Auf dem dritten Platz findet sich erneut ein Kanal der Livekommunikation: die Ausbildungsmessen. Im Gespräch am Messestand können Personaler Schüler persönlich für ihr Angebot begeistern. Häufig haben sich die Jugendlichen vorab im Web informiert. „Online informieren, offline überzeugen“, unter diesem Motto versuchen viele Unternehmen, engagierten Nachwuchs zu finden.
  • Ohne Videos gewinnt man heute keinen Blumentopf – das zeigt sich auch in unserer aktuellen Umfrage wieder deutlich. Attraktive Imagefilme, Azubis im Interview und 360-Grad-Eindrücke von den Räumlichkeiten eines Unternehmens gehören einfach dazu, wenn man Jugendliche auf sich aufmerksam machen will.

 

In der Gesamtauswertung ergibt sich vor allem bei den sozialen Medien ein geteiltes Bild. Während Facebook und Instagram im Azubimarketing gerne genutzt werden, haben Snapchat und der Messenger WhatsApp kaum Relevanz für das Azubi-Recruiting. Auch die gute alte Tageszeitung scheint als Rekrutierungsinstrument im Ausbildungsbereich komplett ausgedient zu haben. Sie schämt sich im Ranking auf dem drittletzten Platz. Fakt ist: Alle befragten Unternehmen nutzen mehrere Kanäle und wissen um die Wichtigkeit, das Engagement bei der Nachwuchsgewinnung zu streuen. Dabei stellen die eigene Karriereseite und Schulveranstaltungen mit Abstand die wichtigsten Kanäle dar.

Einen Teil Ihrer eigenen Azubis finden Sie sicher über Multiplikatoren. Diese tummeln sich in anderen Kanälen als Schüler. Beachten Sie z.B. bei Ihrem Azubimarketing auf Facebook, dass dieser Kanal von Schülern kaum noch genutzt wird. Aber Eltern können Sie hier noch wunderbar erreichen. Welchen Kanal auch immer Sie für Ihre Inhalte bevorzugen: Ihre Ausbildung sollte so (emotional!) erlebbar sein wie möglich. Lassen Sie die Schüler auf Ausbildungsmessen kleine, lustige Aufgaben lösen. Die Ergebnisse (z.B. actionreiches Bild- und Videomaterial) lassen sich im Anschluss fantastisch für die digitalen Kanäle aufbereiten. Und vergessen Sie nicht, alle Kanäle, die messbar sind, auszuwerten und zu vergleichen. Denn das Bauchgefühl, das man in Bezug auf den Erfolg einzelner Rekrutierungsinstrumente hat, täuscht häufig.

Mit welchen Marketingkanälen fahren Sie am besten? Wir freuen uns über einen Kommentar!

An unserer Umfrage teilgenommen haben 141 Ausbildungsverantwortliche, die auf den Ausbildungsforen der Berufe live Köln 2018, Einstieg Berlin 2018, Einstieg München 2018,  Einstieg Köln 2019 und Einstieg Hamburg 2019 zu Gast waren. Der Zeitraum der Befragung erstreckt sich über die Monate November 2018 bis Februar 2019.

*Mehrmals im Jahr und an verschiedenen Standorten in Deutschland veranstaltet Jugendstil Ausbildungsforen, bei denen Ausbilder, Personaler und Marketingmenschen Impulse für ihr Recruiting bekommen. Spannende Vorträge und Diskussionsrunden sorgen nicht nur für neue Ideen. Die Veranstaltungen eignen sich auch wunderbar dazu, Kontakte zu knüpfen. Ab April 2019 haben unsere Ausbildungsforen übrigens einen neuen Namen: „Jugendstil Frei Schnauze – MeetUp für junges Recruiting“! Die Teilnahme ist kostenfrei. 

Sie wünschen sich Best Practice ohne Ende und Deluxe-Ideen für Ihr Azubimarketing? Mehr interessante Menschen, mehr Vorträge, noch mehr Spaß? Dann besuchen Sie auf jeden Fall Flügge! Der interaktive Kongress für neues Azubimarketing findet am 12. und 13. September 2019 in Köln im Deutschen Sport & Olympia Museum statt.




Wie mutig muss Azubimarketing sein?

Azubimarketing

Nicht jede Azubimarketing-Kampagne ist auf die junge Zielgruppe zugeschnitten. Innovation und Spritzigkeit vermisst man leider auch häufig. Liegt es daran, dass Personaler es nicht besser wissen? Sicher nicht. Aber Veränderung kommt nicht von jetzt auf gleich, und sie braucht vor allem Mut. Genau darum geht es in dem Artikel „Wer wagt, gewinnt!“, den unsere Agenturchefin Judith Strücker für das Magazin Wir Ausbilder geschrieben hat. Best Practice inklusive, schauen Sie mal rein!

Wir wünschen wir Ihnen eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr!




Jugendstil entwickelt Azubimarketing-Workshopreihe mit der IHK Mittleres Ruhrgebiet.

AzubimarketingFrau Dr. Fox, gemeinsam mit der Agentur Jugendstil entwickeln Sie eine Workshop-Reihe zum Azubimarketing, die mittelständische Unternehmen für das Thema Ausbildung begeistern soll. Wie kamen Sie zu der Idee?
Wir sind zu der Idee gekommen, weil wir festgestellt haben, dass das mittlere Ruhrgebiet entgegen der Region Sauer- und Münsterland immer noch eine Nachfrageregion ist. Also eigentlich dürften die Unternehmen gar keine Probleme haben, Azubis zu finden. Bei manchen Berufen hat man 100 Bewerber auf 40 Stellen. Das klingt ja erst mal gut für die Unternehmen. Wir stellen aber vermehrt fest, dass die Abbruchquote der Ausbildung hier höher ist, als wir vermutet hätten. Wir liegen im Jahresschnitt bei ca. 20% an Ausbildungen, die abgebrochen werden. Heißt also entweder, der Azubi hat den falschen Beruf gewählt, weil er sich was Anderes vorgestellt hat. Oder aber, das ist auch ein nicht unwesentlicher Grund, der Azubi passt nicht zum Unternehmen. Wir hatten das Gefühl, an dieser Schnittstelle müssen wir etwas tun. Wir machen auch schon ganz viel in Bezug auf den Übergang Schule-Beruf, da haben wir zahlreiche Projekte, die es den Schülern ermöglichen, den Berufsalltag einzelner Ausbildungen kennenzulernen. Aber was uns fehlte, war der Blick, wie finden Unternehmen den passenden Azubi, so dass die Abbruchquote sinkt. Da haben wir festgestellt, da sind nicht immer nur gute Schulabschlüsse gefragt, sondern auch Motivation, Disziplin, eine Passung zu Unternehmenskultur usw. Und die Unternehmen machen bislang in ihrer Ansprach der Azubis wenig Innovatives, das reicht einfach nicht mehr, wenn man möchte, dass sich die richtigen Leute bei einem bewerben. So kam uns die Idee zu diesem Projekt. Für das Konzept haben wir Jugendstil engagiert, weil wir Ihren Erfahrungsstand in Bezug auf die Beratung schätzen. Wir finden es gut, dass Sie auf Azubimarketing spezialisiert und da fachlich up to date sind.

Was zeichnet die Unternehmen Ihrer Region aus?
Wir haben vorwiegend mittelständische Unternehmen, also die meisten sind wirklich nicht größer als 250 Mitarbeiter, und dadurch ist dieses familiäre Miteinander in den Unternehmen, aber auch in dem Unternehmensnetzwerk, was hier eine große Rolle spielt, sehr wichtig. Wir haben einen positiven Lokalpatriotismus, also eine hohe Identifikation der Unternehmen mit der Region, vor allem in den inhabergeführten Unternehmen. Viel Bodenständigkeit, viel Verlässlichkeit, das ist typisch für das Ruhrgebiet und für Bochum noch mal ganz speziell. Die Unternehmen sind schon ganz bewusst an diesem Standort, nicht nur, weil die hier gewachsen sind, sondern weil das einfach von der Denkweise der Menschen her passt. Offen, ehrlich, bodenständig, familiär.

Es gab bereits eine Auftaktveranstaltung zur Vorbereitung der Workshop Themen. Was war Ihnen bei dieser Veranstaltung besonders wichtig?
Wichtig war uns, dass wir strukturiert an die Sache rangehen. Wir haben den Kreis auch über das Projektteam hinaus geöffnet, um die Expertise der anderen IHK-Kollegen einzuholen. Im Workshop haben wir die Ideen der Agentur mit den Erfahrungen unserer Ausbildungsberater in der IHK gespiegelt. Also ein bisschen Realitätscheck betrieben. Weil Sie ja schon Vorüberlegungen als Agentur angestellt hatten, und das konnten wir dann nochmal mit unseren Ausbildungsberatern besprechen, ob das tatsächlich so passt und ein richtiges Konzept für unsere Unternehmen ist.

Mit welchen Themen werden sich die Workshops beschäftigen?
Also das sind einmal moderne Recruiting-Strategien, auch sowas wie Empfehlungs-Marketing, Employer-Branding, Präsentationsmanagement, dann die Vermittlung von Spezialwissen, z.B. über Social-Media-Recruiting. Schön ist, dass auch immer wieder unsere Angebote integriert werden, wie beispielsweise der Azubi-Blog Durchstarter.de. Das ist ja auch ein Social-Media-Instrument. Wir werden mit den Unternehmen über Möglichkeiten der Live-Kommunikation sprechen, auch dort findet die Einbindung unserer Formate wie das des Ausbildungsbotschafters statt. Und zum Schluss geht es auch nochmal darum, wenn der potentielle Azubi einmal da ist, wie führe ich Bewerbungsgespräche? Wie findet die Auswahl statt? Wie meistere ich Krisen und kann Azubis fördern? Also eigentlich bilden wir den ganzen Prozess ab, vom Recruiting bis hin zur Begleitung in der Ausbildung. Und das immer eng an den Fragen und Fallbeispielen der Teilnehmer, deswegen ist es auch so ein begrenzter Teilnehmerkreis.

Wann und wie können sich Unternehmen für eine kostenlose Teilnahme an den Workshops bewerben?
Wir werden einen offenen Wettbewerb veranstalten, bei dem ein kleines Motivationsschreiben gefordert wird. Dieser Aufruf wird ab dem 1. September auf unserer Homepage zu finden sein und wird auch über die sozialen Medien gestreut. Wir haben ja eine Facebook-Seite, da haben wir über 700 Follower, das klingt erstmal nicht viel, aber das sind ja genau die passenden Unternehmen aus der Region, die uns folgen. Wir wählen am Ende 10 Unternehmen aus, die Anfang des Jahres 2019 an den umfangreichen Workshops teilnehmen dürfen.

Vielen Dank für das Gespräch.




Azubimarketing 2018 und 2030: Drei Fragen an Christine Uhlmann von der SINUS:akademie

Azubimarketing Sie finden, die ganze Generation Z über einen Kamm zu scheren, ist zu einfach? Das findet Christine Uhlmann von der SINUS:akademie auch. Auf dem Flügge Kongress für neues Azubimarketing am 4. September 2018 erklärt sie anhand der Sinus-Studie, warum Jugendliche einer Generation je nach Herkunftsmilieu doch ganz unterschiedlich ticken können. „Wie ticken Azubis? – Gen Z ist nicht gleich Gen Z“ lautet der Titel des Keynote-Vortrags.

Frau Uhlmann, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an heutige Schulabgänger denken – was ist anders im Vergleich zu Ihrer Schulzeit?
Wenige Schulabgänger – unzählige Möglichkeiten! Im Vergleich zu meinem Abi-Jahrgang sind junge Menschen, die ins Berufsleben starten, ein rares Gut geworden. Das war bei uns ganz anders. Und auf der anderen Seite haben heutige Jugendliche eine so große Vielfalt an Ausbildungsberufen und Studiengängen, dass ich es gut verstehen kann, wenn da die Entscheidung nicht leichtfällt! Zumal ich das Gefühl habe, dass die Schule nicht sehr gut auf diese Entscheidung vorbereitet: Jugendliche wünschen sich einen Beruf, der zu ihren Neigungen und Fähigkeiten passt. Das war zwar auch für mich ein wichtiges Kriterium, aber wenn ich den Jugendlichen in unseren Interviews so zuhöre, ist die Zeit für Hobbies, fürs Ausprobieren und Experimentieren knapper geworden. Und selbst wenn man sich entschieden hat, ist es 2018 beinahe unmöglich, die weitere Berufsbiografie zu planen. Wenn wir mit Jugendlichen sprechen, hört sich das oft so an, als stünden sie in einem großen Labyrinth, in dem man nur den nächsten Streckenabschnitt einsehen kann. Für manche Jugendliche ist das super – nach jeder Biegung eine Überraschung und gerne auch mal ein „Umweg“ – andere tun sich sehr schwer damit und wünschen sich mehr Geradlinigkeit, wie es bei früheren Generationen der Fall war.

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Ein gutes Azubimarketing kommt in 2018 nicht vorbei an….
…Zielgruppenorientierung! Das „Gießkannenprinzip“ funktioniert mit der Generation der heutigen Schulabgänger ganz bestimmt nicht mehr. Deshalb sollten Betriebe um die große Vielfalt von Lebenswelten wissen und sich mit deren Eigenheiten und Werten vertraut machen: Wie ticken die denn überhaupt und wie unterschiedlich ticken die, wenn es um Vorstellungen von Ausbildung oder Wünsche an die Zukunft geht? Das SINUS-Lebenswelt-Modell gibt hier viele Einblicke und zeigt: Oftmals lohnt es sich, gerade dort genauer hinzuschauen, wo man zunächst „blinde Flecken“ hat – bei denjenigen Jugendlichen, die eher fremd oder „anders“ erscheinen. Mindestens ebenso wichtig für das Azubimarketing ist es aber, sich auch über die eigenen Werte des Unternehmens im Klaren zu sein: Wofür stehen wir? Was macht uns und unsere Unternehmenskultur aus? Und dann gilt es, beides zusammenzubringen und dabei die Passgenauigkeit so groß wie möglich hinzubekommen. Wir empfehlen dafür, Praktika oder Orientierungstage anzubieten. Das gibt beiden Seiten die Möglichkeit, sich näher kennenzulernen und zu merken, ob es passt oder nicht. Und natürlich gehört dazu auch, die richtige Zielgruppe richtig anzusprechen – in einem persönlichen Gespräch auf der Ausbildungsmesse, durch eine originelle Stellenanzeige, über die Website usw. Ein passender Medienmix ist 2018 ebenfalls unerlässlich für gutes Azubimarketing.

Schießen wir uns gedanklich in das Jahr 2030: Wie sieht Ihre Zukunftsvision bzw. Ihr Wunsch in Bezug auf die Kommunikation von Unternehmen mit jugendlichen Bewerbern aus?
Im Jahr 2030 haben Unternehmen hoffentlich das große Potential erkannt, das in der jungen Generation steckt, und aufgehört, sich darüber zu wundern, dass die nachwachsende Generation so „anders“ ist als wir Erwachsenen. Für die jugendlichen Bewerberinnen und Bewerber wünsche ich mir, dass sie in der Schule, aber auch bei Praktika auf Menschen stoßen, die sie ernst nehmen und sich ausprobieren lassen und die ihnen immer wieder Rückmeldung geben, um die Orientierung zu erleichtern und frühzeitig zu merken, ob Berufsrichtung und Betrieb passen oder nicht. Und als Pädagogin habe ich natürlich auch den Wunsch, dass benachteiligte Jugendliche deutlich mehr in den Blick kommen als dies momentan der Fall ist. Statt sich an mangelnder Rechtschreibung aufzuhängen, werden 2030 hoffentlich deutlich mehr die Stärken und Ressourcen junger Menschen in den Blick genommen, sodass in viel größerem Maße auch die zum Zuge kommen, die nicht die besten Schulnoten mitbringen, dafür aber handwerkliche Stärken, Lust auf Arbeiten, Mut und Entschlossenheit.

Vielen Dank für das Gespräch!




Azubimarketing 2018 und 2030: Drei Fragen an Ali Mahlodji von WHATCHADO.com

 

Azubimarketing

Copyright: Ali Mahlodji

Ali Mahlodji kam 1983 als Flüchtlingskind aus dem Iran nach Deutschland. Das Thema Orientierungslosigkeit bei Jugendlichen hat ihn immer beschäftigt. 2012 gründete er deshalb das Start-up WHATCHADO.com, ein digitales Handbuch der Lebensgeschichten. Mit der Plattform möchte der international ausgezeichnete Visionär junge Menschen inspirieren. Ali ist am 5. September Keynote-Speaker auf dem Flügge Kongress für  neues Azubimarketing. Der interaktive Kongress richtet sich an alle neugierigen Recruiter, Personal- und Ausbildungsmarketingexperten sowie Ausbilder, die der Zukunft mal ganz persönlich Hallo sagen wollen. Alis Vortragsthema auf der Veranstaltung: Arbeitswelt im Umbruch. Führen einer neuen Generation.

 

Ali, was fällt dir als Erstes ein, wenn du an heutige Schulabgänger denkst – was ist anders im Vergleich zu deiner Schulzeit?

Die heutigen Schulabgänger haben wahrscheinlich viel mehr Stress als damals, sie wachsen in einer Welt auf, in der es ihnen oberflächlich betrachtet viel besser geht als der Großelterngeneration, in einer Welt, in der alles da ist. Die Großeltern haben noch den Krieg erlebt und leere Supermärkte. Die Jugendlichen wachsen in einer Welt auf, in der man über Amazon ein Produkt bestellen kann, das sofort verfügbar ist. Gleichzeitig haben wir durch die Digitalisierung eine sich ständig verändernde Arbeitswelt, in der es den lebenslangen Job nicht mehr gibt. 65 Prozent der Jobs, die wir in den nächsten Jahren ausüben werden, existieren noch gar nicht! Die Sicherheit, mit der man damals aufgewachsen ist, gibt es einfach nicht mehr. Wir werden auch nicht mehr die Rente bekommen, die die Großeltern hatten. Eine Welt voller Möglichkeiten, was auf den ersten Blick perfekt ist. Die Schule ist jedoch noch organisiert wie früher: Man lernt hier nach Vorgaben. Jemand sagt dir, was du wie in welchem Tempo lernen sollst. Wenn du dich daran hältst, wirst du gut benotet. Was das moderne Arbeitsleben braucht, sind aber Menschen, die nicht nach Vorgaben lernen, sondern die sich eigene Gedanken machen, die neue Ideen einbringen. Schülern fehlt heute die Orientierung und der Halt, sie wissen oft nicht, worauf es denn wirklich ankommt. Wenn wir an die Schulen gehen, merken wir das sehr. Wir versuchen die Jugendlichen dann zu ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen und sich nicht zu sehr von anderen beeinflussen zu lassen. Ich glaube übrigens auch, dass die Generationen künftig stärker zusammenwachsen werden, dass nicht nur die Jungen von den Alten lernen, sondern auch die Alten von den Jungen.

Bitte vervollständige folgenden Satz: Ein gutes Azubimarketing kommt in 2018 nicht vorbei an….
Ein gutes Azubimarketing kommt nicht daran vorbei, sich endlich mal in die Lebenswelt der Jugendlichen hineinzuversetzen.  Was junge Menschen heute antreibt, ist das Thema Sinn. Der Mensch entwickelt sich immer nur weiter, wenn er einen Sinn sieht in dem, was er tut. Unternehmen, die mit den Jugendlichen auf Augenhöhe sprechen und die ihre Azubis in das Azubimarketing einbinden, erreichen viel mehr. Was man auch nicht vergessen darf: Junge Menschen haben heute keine Geduld mehr. Sie können sich übers Internet jederzeit alles kaufen und müssen auf nichts mehr warten. Jede Serie ist im Netz verfügbar. Das ist für Unternehmen auch eine große Herausforderung. Sie müssen es schaffen, den Nachwuchs davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, zwei oder drei Jahre ihrer Zeit dem Unternehmen zu widmen. Das schafft man nur, wenn man Schüler ernst nimmt und ihnen zuhört. Und ihnen vor allem etwas zutraut! Die Azubis, die ihre Ausbildung gerne machen und die erfolgreich sind, sollte man unbedingt zu Azubi-Botschaftern machen. Sie können den Nachwuchs am besten für die Ausbildung begeistern und sind für authentisches Azubimarketing unerlässlich.

Schießen wir uns gedanklich in das Jahr 2030: Wie sieht deine Zukunftsvision bzw. dein Wunsch in Bezug auf die Kommunikation von Unternehmen mit jugendlichen Bewerbern aus?
Das Schöne ist, dass wir bis dahin eine neue Art von Bildungssystem haben werden. Wo der Unterricht viel näher dran ist an der echten Praxis. Einige Unterrichtselemente werden nicht mehr in der Schule stattfinden, sondern bei den Unternehmen vor Ort. Viel mehr Lehrer werden Menschen aus der echten Wirtschaft sein. Durch all das werden Schüler viel früher als jetzt mit dem echten Arbeitsleben in Kontakt kommen. Das Schulsystem wird nicht mehr in einzelnen Fächern denken, sondern die Disziplinen stärker vernetzen und Projektarbeit betreiben. Damit die Jugendlichen besser verstehen, wie die Dinge in unserem Leben funktionieren und entstehen. Wie Häuser und Smartphones gebaut werden, z.B., und wie man sie vermarktet. Das macht es den Jugendlichen später einfacher, sich für einen bestimmten Job zu entscheiden. Unternehmen sind dann schon mit Schülern in Kontakt, wenn die Berufswahl noch gar kein Thema ist, und sie müssen die Schüler als „Kunden“ betrachten, denen sie ihre Ausbildung schmackhaft machen wollen.  Engagierte Unternehmen werden sich in der Schule stark einbringen, sie werden Vorträge halten und Projektarbeit begleiten. Kein Unternehmen kann es sich heute mehr leisten, reine Pflichterfüller einzustellen. Deshalb müssen sie die jungen Leute schon früh dazu „erziehen“, selber zu denken und die Dinge in Frage zu stellen. Unternehmen, die sich darauf verlassen, dass sich die Schule und die Politik darum kümmern, werden schlechte Karten haben. Die Politik hinkt den Entwicklungen eher hinterher.

Ali, vielen Dank für das Gespräch!