Azubimarketing 2018 und 2030: Drei Fragen an Jörg Buckmann von „Buckmann gewinnt“

AzubimarketingJörg Buckmann unterstützt Firmen leidenschaftlich dabei, sich auf dem Arbeitsmarkt Gehör zu verschaffen – lustvoll, engagiert und immer mit einer guten Portion Humor. Er schwärmt von Unternehmen, die sich trauen, neue Wege zu gehen. Für seinen Vortrag „Wer hat’s erfunden? So geht die Schweiz auf Azubijagd“ auf dem Flügge Kongress am 13.09.2019 bringt er zur Inspiration eine Menge frechmutige Best Practices mit. Wir sind neugierig darauf, welche Visionen Jörg Buckmann zum Thema Azubimarketing hat. Deshalb haben wir ihm schon heute ein paar Fragen gestellt.

1. Herr Buckmann, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an heutige Schulabgänger denken – was ist anders im Vergleich zu Ihrer Schulzeit?
Ich habe den Eindruck, dass sie selbstbewusster sind. Und das gefällt mir. Ich staune nicht selten, wie auf eine ganz positive Art und Weise sie kecker sind als ich es damals war. Sie vielleicht weniger unnötigen (übergroßen) Respekt haben. Aber sonst sehe ich eigentlich weniger Unterschiede, als man beim Medienstudium meinen könnte. Einen guten Beruf haben, der interessant ist und Spaß macht. Eine nette Chefin und tolle Kameraden. Gute Arbeitszeiten vielleicht noch. Und privat: Reisen, erste Wohnung, Auto und, wenn’s geht, noch eine hübsche Freundin. Kommt mir irgendwie ziemlich bekannt vor…

2. Schießen wir uns gedanklich in das Jahr 2030: Wie sieht Ihre Zukunftsvision bzw. Ihr Wunsch in Bezug auf die Kommunikation von Unternehmen mit jugendlichen Bewerbern aus?
Hmm… in 11 Jahren also. Ich hoffe, dass man dann den Jungen noch mehr und bessere Möglichkeiten gibt, sich in der Berufswelt auszuprobieren. Zu erleben, wie es so ist in diesem oder jenem Beruf. Ich träume davon, dass Jugendliche ohne Anmeldung einfach mal reinschnuppern können. Einen Tag lang wenigstens. Vielleicht helfen bei dieser Vision ja die kommunikativen Möglichkeiten mit 360 Grad Videos oder Live-Chats. Wobei: Das gibt es ja heute schon. Vielleicht wird es ja in 11 Jahren möglich sein, sich immer dann, wenn ich Zeit und Lust habe, in eine Firma einzuloggen und einen Berufsbuddy beim Alltag zu begleiten. Aber eigentlich ist mein Wunsch viel bescheidener: Es sollte den Jugendlichen nur schon viel viel einfacher gemacht werden, in den Dialog mit den Unternehmen zu treten. So manche Karriere-Webseite macht auf mich noch immer eher den Eindruck, als hinge da ein „Please do not disturb“-Schild dran.

3. Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Ein gutes Azubimarketing kommt in 2019 nicht vorbei an…
Einer guten Portion Humor.

Vielen Dank für das Gespräch!




Ausbildungsmarketing meets Instagram. Mediennutzung und Informationsbedarf junger Bewerber

Im Rahmen unserer aktuellen Umfrage zur Mediennutzung hat es sich wieder bestätigt: Wenn es an die Berufswahl geht, wenden sich Jugendliche als Erstes an Mama oder Papa, um sich Rat zu holen. Freunde und Lehrer haben ebenfalls einen großen Einfluss auf die Gedanken, die sich Schüler um ihre Zukunft machen. Darüber hinaus sind die Karriereseiten von Unternehmen eine beliebte Anlaufstelle, um sich über Berufsbilder zu informieren.

Welche der folgenden Wege und Medien hast du schon einmal genutzt, um dich über Ausbildungsberufe zu informieren?
Befragt wurden 46 Jugendliche im Alter zwischen 13 und 22 Jahren, die im November 2018 die Berufe live Köln besucht haben. Die Schüler haben in einem so genannten Imagetesting, das wir regelmäßig für Kunden durchführen, Werbemittel beurteilt. Bei den Imagetestings stellen wir auch gerne allgemeine Fragen, die uns unter den Nägeln brennen. Mehrere Antworten waren möglich.
Mediennutzung

Immerhin 28,3 Prozent der Befragten haben schon mal Instagram genutzt, um sich zu informieren. Da das Medium sehr privat ist und Schüler hier vor allem ihren Hund, ihr Essen oder das neue Strandoutfit posten, stellt sich die Frage, ob Ausbildungsmarketing auf der beliebten Foto- und Videoplattform überhaupt erwünscht ist.

Wie findest du es, wenn Unternehmen auf Instagram Werbung für ihre Ausbildungsberufe machen?
Teilnehmer: s. oben
Instagram

Die Antworten dürften alle Personaler und Recruiter beruhigen: Die meisten Schüler finden es informativ und hilfreich, wenn Unternehmen ihr Ausbildungsangebot auf Instagram präsentieren. Aber ein paar schicke Bilder reichen nicht. Bewerber wollen schließlich nicht die Katze im Sack kaufen. Wir haben die Jugendlichen gefragt, welche Informationen sie sich von Unternehmen wünschen.

Angenommen, du interessierst dich für eine Ausbildung: Welche Informationen wären für dich absolut wichtig? Was würdest du gerne über den Beruf oder über den Betrieb wissen, bevor du dich bewirbst?
Teilnehmer: s. oben; Freitextantworten.
Informationsbedarf

Nicht nur Instagram, auch Online-Kanäle wie Youtube, Stellenbörsen oder Unternehmensseiten werden für die Orientierung genutzt. Das wollten wir uns genauer ansehen. Auf den Berufswahlmessen Einstieg Köln und Einstieg Hamburg sind wir mit 686 Jugendlichen ins Gespräch gegangen, um herauszufinden, welche digitalen Kanäle sie für die Studien- und Berufswahl nutzen. Es zeigte sich: Youtube ist absoluter Spitzenreiter! Eine Überraschung ist das nicht. Denn wie ließe es sich einfacher (und häufig unterhaltsamer!) zu Berufen und Studiengängen recherchieren als über das bewegte Bild? Hier kommt die Gesamtauswertung:

Mediennutzung: Welche der folgenden Kanäle hast du schon einmal für Infos über Ausbildung und Studium genutzt?
Mehrere Antworten waren möglich. Umfrage unter 686 Jugendlichen zwischen 15 und 20 Jahren im Februar 2019 auf der Einstieg Köln und Einstieg Hamburg.
Online-Medien




Jugendstil-Studie „Spaß im Job von 9 bis 17 Uhr – Was Jugendlichen bei der Berufswahl wichtig ist“

Berufswahl

Die Frage „Was mache ich nach der Schule?“ treibt den meisten Jugendlichen den Schweiß auf die Stirn. Es ist nicht verwunderlich, dass das Thema Berufswahl gerne mal verdrängt wird. Doch irgendwann gibt es kein Entkommen mehr. Mit ein bisschen Glück erhalten die Schüler Unterstützung von einem Berufswahllehrer, der sie in ihrer Orientierungsphase begleitet. Dann geht es los mit dem Überlegen und Recherchieren – Mama, Opa, alle Freunde und Nachbarn werden konsultiert und Google soll die besten Berufe finden. Schnell wird klar: Möglichkeiten gibt es sehr viele. Viel zu viele. Es ist wahnsinnig schwer, sich auf etwas festzulegen.

Nach welchen Kriterien entscheiden sich Schüler für oder gegen einen Beruf? Wir wollten es herausfinden. Denn das interessiert nicht nur Jugend- und Arbeitsmarktforscher, sondern ganz besonders Ausbilder, Personaler und Hochschulmarketingleute. Um den Beweggründen bei der Entscheidung auf die Spur zu kommen, haben wir Jugendliche gebeten, die folgenden fünf Berufswahlkriterien für sich zu priorisieren:

  • Das Verhältnis von Arbeitszeit und Freizeit Zeit für Familie
  • Der Spaß an der Tätigkeit
  • Die Höhe der Bezahlung
  • Die Arbeitsplatzsicherheit
  • Die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten im Job

Was glauben Sie? Sind junge Menschen heute vor allem scharf aufs Geld? Nein! Das zentrale Ergebnis der Studie lautet: Unabhängig von Geschlecht, Alter und Schulform liefern sich die Faktoren „Spaß an der Tätigkeit“ und „Zeit für die Familie und Freizeit“ ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den ersten Platz. Der Faktor Spaß setzt sich so gut wie gegen alle anderen abgefragten Berufswahlkriterien durch. Das ist ein schönes Ergebnis! Aber es schafft auch ein Problem: Wie sollen die frischgebackenen Abiturienten den Berufsbeschreibungen im Internet entnehmen, wie viel Spaß ihnen der Beruf machen wird? Der Faktor Spaß wird nur im persönlichen Gespräch greifbar. Wenn jemand mit leuchtenden Augen von seinem Berufsalltag berichtet, weiß man zumindest: Potential für Spaß ist da. Will man noch näher ran an den Beruf, bestenfalls durch das eigene Erleben, sind Praktika von entscheidender Bedeutung.

Für Ausbilder, Personaler und Hochschulmarketingleute wird durch das Ergebnis einmal mehr deutlich, dass sich die Bewerberzahlen durch Hochglanzbroschüren allein nicht steigern lassen. Echtes Interesse entsteht, wenn die Schüler Tätigkeiten selber ausprobieren können. Treffen Sie Ihre junge Zielgruppe so oft wie möglich persönlich. Veranstalten Sie Tage der offenen Tür, die zu erlebnisreichen Workshops zum Kennenlernen der Berufe einladen. Schnappen Sie sich Ihre Azubis und Studenten und zeigen Sie gemeinsam mit ihnen auf Berufswahlmessen, was es heißt, für Sie zu arbeiten oder bei Ihnen zu studieren. Wenn Ihre Azubis in Videos berichten, was sie tagsüber machen, dürfen bewegte Bilder rund um die Tätigkeit und den Arbeitsplatz nicht fehlen. Das Schöne am Live-Kontakt ist außerdem: Die Aktionen, die Sie planen, schaffen in Ihren Sozialen Medien und auf Ihrer Karriereseite den perfekten Kommunikationsanlass. „Augenoptiker werden! Triff uns auf der Messe in Köln – wir zeigen dir, wie man Gläser schleift und wie ein Sehtest abläuft.“

Alle weiteren Ergebnisse, z.B. zum Thema Arbeitszeit, finden Sie in unserem ausführlichen Studienbericht.

An der Umfrage haben 250 Schüler zwischen 14 und 18 Jahren teilgenommen. Die Befragung fand im Rahmen eines Schulprojekts zur Berufsorientierung in NRW statt und wurde von Juni bis September 2018 an drei Schulen unterschiedlicher Schulformen durchgeführt.




Wie mutig muss Azubimarketing sein?

Azubimarketing

Nicht jede Azubimarketing-Kampagne ist auf die junge Zielgruppe zugeschnitten. Innovation und Spritzigkeit vermisst man leider auch häufig. Liegt es daran, dass Personaler es nicht besser wissen? Sicher nicht. Aber Veränderung kommt nicht von jetzt auf gleich, und sie braucht vor allem Mut. Genau darum geht es in dem Artikel „Wer wagt, gewinnt!“, den unsere Agenturchefin Judith Strücker für das Magazin Wir Ausbilder geschrieben hat. Best Practice inklusive, schauen Sie mal rein!

Wir wünschen wir Ihnen eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr!




Wollmilchsau Online Recruiting Studie 2018: Mobile Bewerbung? Fehlanzeige!

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In der aktuellen Ausgabe der Wollmilchsau Online Recruiting Studie 2018 werden zum 6. Mal die Karriereangebote der 160 im DAX notierten Unternehmen unter die Lupe genommen. Wie steht es um die geräteübergreifende Candidate Journey? Untersucht wurden im Zeitraum von Juni bis Juli 2018 jeweils die Karriereseite, die Jobbörse, die Stellenanzeigen und das Bewerbungsformular der Unternehmen. Das auffälligste Ergebnis: Nach vier Jahren Aufwärtstrend im mobile Recruiting haben sich die Werte nun erstmals nicht verbessert und teilweise sogar verschlechtert. Zwar haben 80 Prozent der Unternehmen eine mobiloptimierte Karriereseite zu bieten und  73 Prozent machen auch ihre Jobbörse für mobile Endgeräte fit. Doch in dem Moment, in dem es an die mobile Bewerbung geht, bricht der Wert ein: Nur 39 Prozent der Unternehmen lassen die Bewerbung über das Smartphone zu. Bei der Gestaltung der Bewerbungsformulare sieht es ähnlich mau aus. Im Schnitt muss sich ein Bewerber durch 9 Pflichtfelder arbeiten. Knapp ein Drittel der Bewerber wird zur Registrierung verpflichtet, bevor der Bewerbungsprozess überhaupt startet. Die Bewerbung via Xing lässt nur etwa jedes sechste Unternehmen zu, die One-Click-Bewerbung jedes fünfte.

Die Karriereseiten optimieren kann man natürlich nur, wenn man über aussagekräftige Nutzerdaten verfügt. Aber nur 46 Prozent der Unternehmen setzen ein Analytics-Programm ein. Dieser Wert hat sich im Vergleich zu 2017 deutlich verschlechtert, was Wollmilchsau unter anderem auf die Datenschutzgrundverordnung zurückführt, die die lückenlose Messbarkeit der Candidate Journey seit Mai 2018 erheblich erschwert.

Die ganze Studie lesen?  https://wollmilchsau.de/studien/




Azubimarketing 2018 und 2030: Drei Fragen an Michael Hanschmidt aus dem Büro für Zukunft

hanschmidt 1 cAuf dem Flügge Kongress für neues Azubimarketing am 5. September 2018 zeigt Ihnen Michael Hanschmidt aus dem Büro für Zukunft, wie Sie Auszubildenden eine Fehlerkultur ermöglichen können, ohne gleich das Unternehmen zu ruinieren. Ein Workshop mit Mitmachgarantie!

Herr Hanschmidt, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an heutige Schulabgänger denken – was ist anders im Vergleich zu Ihrer Schulzeit?
Ach Gott, das ist ja lange her. Ich kann mich an Berufsorientierung oder so was natürlich nicht erinnern. Das lief alles familiär ab. Meine Mutter war Pressereferentin bei Bertelsmann, so dass man darüber natürlich einen weiteren Horizont bekam. In dem ländlichen Umfeld, in dem ich aufgewachsen bin, kann ich aber sagen, dass jeder eigentlich seine Chance hatte. Aus meiner Realschulklasse sind genau drei Leute weg gezogen. Einer davon sitzt hier gerade. Damit komme ich zurück zur Frage: Ich denke, viele sind „besser“ als ihr Ruf, sind aber mit den Optionen überfordert. In unseren Veranstaltungen sitzen doch viele Verunsicherte, die spüren, dass die Summe an Informationen ihnen nur bedingt weiterhilft. Für die Frage „Was bedeutet das alles für mich?“ brauche ich dann doch ein „Gegenüber“, der mir hilft, alles einzuordnen, Dinge zu verknüpfen und für mich zu bewerten. Sorge macht mir auch die unterschiedlichen Teilhabemöglichkeiten. Hier spreizt sich die Gesellschaft. Die eine Gruppe kann sich unter den vielen tollen Dingen einfach nicht entscheiden und die anderen haben Unruhe und „Frust“, weil sie die Möglichkeiten kennen, aber zunächst keinen Zugang haben. Das kann auf Dauer nicht so bleiben, denn auch für die Unternehmen ist das am Ende ein Nullsummenspiel, weil die einen flüchtig sind und sich nicht binden und die anderen sich gar nicht erst bewerben oder Ressentiments entwickeln. Historisch war es so, dass das Ende der Schulzeit so etwas wie ein gewisses Ende von Jugend war. Das können wir heute nicht mehr halten, denn Reife entwickelt sich gegenwärtig langsamer oder muss sogar neu definiert werden. Interessant ist es bei Schulabgängern heute vielleicht noch, dass wir als „Große“ den Schulabgängern mit dem besten Abschluss ein gesellschaftlich anerkanntes „Moratorium“ gönnen, während wir diejenigen mit schwierigen Startchancen früh ins Wasser werfen und hoffen, dass Sie nicht untergehen. Keine  Lösung habe ich bislang für die Formel: „Möchte viel Geld verdienen und viel Freizeit haben.“ Ich tröste mich immer damit, dass dies natürlich zunächst auf einem Bild beruht und dann durch Erfahrungen relativiert wird.

Bitte vervollständige folgenden Satz: Ein gutes Azubimarketing kommt in 2018 nicht vorbei an….
…guter Ausbildungsqualität! Die Realität muss dem Recruiting standhalten.

Schießen wir uns gedanklich in das Jahr 2030: Wie sieht Ihre Zukunftsvision bzw. Ihr Wunsch in Bezug auf die Kommunikation von Unternehmen mit jugendlichen Bewerbern aus?
Oh je, da bin ich ja gar nicht so der Fachmann sondern eher der Didaktiker. Ich denke aber, dass vom „Style“ her die Top Down Kommunikation am Ende sein sollte. Jeder in diesem Prozess ist Experte und zwar für seine Rolle und Lebenslage. Das sollten beide Seiten akzeptieren. Menschen mit verschränkten Armen hinter Messeständen gibt es dann nicht mehr. Im Sinne der oben genannten Argumentation sind dann auch die Themen anders: Nicht „welchen Abschluss hast du“, sondern „was kannst du und was interessiert dich wirklich“. Die jungen Menschen haben aber auch den Auftrag, den Zukunftsangeboten eine echte Aufgeschlossenheit zu geben und nicht Branchen vorab auszuschließen aufgrund ihres Images. Das ist übrigens eine Innovationsaufgabe an die Berufsorientierung. Am Ende interessieren wir uns dann mehr für Identitäten und Menschen und weniger für Zertifikate und so`n Zeug.




Azubimarketing 2018 und 2030: Drei Fragen an Sebastian Niewöhner von Talentcube

azubimarketingAuf dem Flügge Kongress für neues Azubimarketing am 4. September 2018 erzählt Ihnen Sebstian Niewöhner von Talentcube, wie Sie mit dem verblüffend einfachen Einsatz von Video-Bewerbungen junge Bewerber begeistern und dadurch Ihre Arbeitgebermarke stärken. Natürlich ist die audiovisuelle Bewerbung auch Teil von Niewöhners Zukunftsvision.


Herr Niewöhner, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an heutige Schulabgänger denken – was ist anders im Vergleich zu Ihrer Schulzeit?
Digitale Kommunikation und multimediale Inhalte spielen bei Schulabgängern heute eine enorm große Rolle. Sie sind den ganzen Tag auf Snapchat und Instagram unterwegs. Sie posten Bilder von Alltagssituationen mit entsprechenden Kommentaren. Alle so vernetzten Freunde wissen zu jeder Zeit, wo die anderen sind und was sie tun. Viele haben heute den Berufswunsch, ein bekannter Blogger oder YouTuber zu werden und das Fernsehen hat bis auf Reality Shows an Bedeutung verloren. Benötigte Informationen werden heute nur noch gegoogelt und die Bedeutung von Influencern ist enorm. Schulabgänger kleiden sich entsprechend ihrer Influencer, denen sie auf Instagram folgen, und sie verhalten sich dementsprechend. Schulabgänger heute sind „always on“. Der persönliche und direkte Kontakt mit Freunden hat hingegen an Bedeutung verloren. Er wird durch den permanenten Austausch auf den Sozialen Medien befriedigt. Trifft man sich doch persönlich, sind die heutigen Schulabgänger parallel am Smartphone aktiv und tauschen sich mit anderen Nutzern über dieses aus. Dieses Informationsverhalten spiegelt sich natürlich auch bei der Job- und Ausbildungssuche wieder. Zu meiner Schulzeit befand sich das Internet noch in den Kinderschuhen. Mein erstes Handy war ein Nokia-Klapphandy. Mit dem habe ich Snake gespielt und für neun Cent eine SMS an Freunde versendet. Wir haben uns mittags in der Schule verabredet. Wer nach der Schule da war, war da, und die anderen hatten Pech. Unsere Vorbilder waren bekannte Sportler wie Dirk Nowitzki oder Michael Jordan. Informationen haben wir uns über Bücher oder auf dem PC via Wikipedia besorgt.

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Ein gutes Azubimarketing kommt in 2018 nicht vorbei an….
… sozialen Medien und dem gezielten Kontaktaufbau, der Kontaktpflege zu Schülern! Es muss Unterstützung bei der Berufsorientierung und Möglichkeiten zur einfachen Bewerbung via Smartphone bieten. Dabei ist der direkte Kontakt auf Augenhöhe und die persönliche, zielgruppengerechte Ansprache wichtig. Das Azubimarketing sollte verschiedene Kontaktpunkte wie z.B. Messen, Infotage und Instagramkanäle bieten, um eine Bindung und Vertrauen aufzubauen. Azubimarketing sollte auch immer wieder Blicke hinter die Kulissen von Unternehmen bieten. Zeigen, wie dort gearbeitet wird. In welchem Umfeld sich Mitarbeiter und Azubis dort befinden. Welche Aufgaben sie dort ausüben. Die Formate dazu müssen digital sein. Das macht Aufgaben, Abläufe und die Unternehmenskultur transparent. Schüler können so Entscheidungssicherheit bei der Wahl ihrer Ausbildung und ihres Ausbildungsplatzes gewinnen. Azubimarketing kann aber auch eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Schulprojekten spielen. Schüler können so eigenverantwortlich in Zusammenarbeit mit Unternehmen spannende Fragestellungen bearbeiten und neue altersgruppengerechte Lösungen entwickeln. Das unterstützt sie dabei, den ihren Fähigkeiten und Interessen entsprechenden Weg zu finden. Unternehmen haben einen Mehrwert durch die Sichtweise der nachfolgenden Generation.

Schießen wir uns gedanklich in das Jahr 2030: Wie sieht Ihre Zukunftsvision bzw. Ihr Wunsch in Bezug auf die Kommunikation von Unternehmen mit jugendlichen Bewerbern aus?
Unternehmen werden mit ihren Aufgaben und Fragestellungen auch Teil des Unterrichtes sein. Mentoren aus den Unternehmen pflegen on- und offline die Kommunikation und den Austausch mit den Schülern. Die neuste Version von iPads und Augmented Reality sind zentraler Bestandteil des Unterrichts, um Inhalte einfach und spielerisch zu vermitteln. Die Schüler selbst sind nur in einer Kernzeit zwischen 10:00 – 14:00 Uhr in der Schule und werden nicht mehr nach Fächern unterrichtet, sondern nach Themen, die sie interessieren, die sie für ihre Projekte benötigen. Das Format Video spielt auch im Rahmen von Informationsbeschaffung und -austausch eine zentrale Rolle. Die Video-Kommunikation ist ein fester Bestandteil des Kontaktes von Unternehmen mit Schülern und jugendlichen Bewerbern. Virtual Reality wird im Rahmen der Kommunikation den Einblick von Schülern in Unternehmen noch zusätzlich unterstützen. Technologie ermöglicht es Schülern und zukünftigen Azubis, sich in ihren zukünftigen Arbeitsplätzen umzusehen. Sie wissen dann damit schon vor der Bewerbung ganz genau, wo sie hinkommen werden und was sie erwartet. Bewerben wird insgesamt viel direkter und persönlicher ablaufen, da sich die Video-Bewerbung bis dahin als neuer effizienter Bewerbungsstandard etabliert hat.

Vielen Dank für das Gespräch!