27 Jul

Azubimarketing 2018 und 2030: Drei Fragen an Christian Tembrink von netspirits

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AzubimarketingAls Profi für Bewegtbild-Marketing weiß Christian Tembrink, Geschäftsführer der Agentur netspirits, wie Sie mit Influencern und Videocontent bei Azubis in spe punkten! Auf dem Flügge Kongress für neues Azubimarketing am 4. September 2018 erzählt er uns etwas darüber in seinem Vortrag  „Darum wird Bewegtbild-Marketing zur Pflicht im HR“. Heute wollen wir erst mal von ihm wissen, wie er über das Azubimarketing der Zukunft denkt.

 

Herr Tembrink, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an heutige Schulabgänger denken – was ist anders im Vergleich zu Ihrer Schulzeit?
Ich wundere mich manchmal über die Gelassenheit, aber auch Planlosigkeit, was den späteren Job angeht. Die Planlosigkeit hatte ich selber auch, aber nicht die Ruhe, die Dinge auf mich zukommen zu lassen, wie sie vielleicht heute einige Schüler haben. Zumindest habe ich mir dann schon mal einen Studienplatz besorgt, obwohl ich noch nicht hundertprozentig sicher war, ob ich das wirklich mein Ding ist. Es gibt heute aber auch so viele Optionen, die man wahrnehmen kann. Das trägt dazu bei, dass es schwer ist, eine Wahl zu treffen.

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Ein gutes Azubimarketing kommt in 2018 nicht vorbei an….
…da zu sein, wo die Zielgruppe gerne ist! Dazu habe ich ein Beispiel, und zwar eine Kampagne der Allgäuer Überlandwerke. Da ging es zwar nicht um Recruiting, sondern um Kundengewinnung, aber der Punkt ist der gleiche. Die identifizierte Zielgruppe für den Energieversorger war: Kinder, die das Elternhaus verlassen, um in die erste eigene Wohnung zu ziehen. Der Projektverantwortliche hat über Reichweiten- und Klick-Tests im Netz schnell herausgefunden, dass Jugendliche nach allem Möglichen googeln, aber leider niemals nach „Stromanbieter“. Und sie klicken auch keine Banner an, die sich mit dem Thema Energie und Nachhaltigkeit beschäftigen. Dennoch ist das Thema für Schüler, die flügge werden, ja relevant. Also war klar, man versucht mal was Analoges. Auf Studentenpartys wurde eine Instagram-Promoaktion für die Allgäuer Überlandwerke gemacht.  Die Studenten konnten Fotos in witzigen Settings machen und diese auf Instagram posten oder per WhatsApp versenden. Der Slogan war „Mein erste eigene Bude – ich achte auch auf Energie“. Teil der Aktion war auch das Angebot: „Wenn du jetzt den Stromanbieter wechselst, bekommst du ein Geschenk!“. Am besten kam der Spätzle-Hobel als Geschenk an. Denn die Allgäuer lieben die Spätzle wie die Menschen im Ruhrgebiet ihre Currywurst oder die Kölner den Reibekuchen. Am Wochenende hab ich übrigens gelesen, dass RWE für das Azubimarketing einen speziellen Ausbildungstag veranstaltet, mit viel Programm und Sport, ein großes Event. Die Jobinfos sollen da auch eher entspannt mit einfließen, das Erlebnis steht erst mal im Vordergrund. So hat man gute Chancen, auch diejenigen zu erreichen, die keine Lust haben, im Netz lange nach Stellenanzeigen zu suchen.

Schießen wir uns gedanklich in das Jahr 2030: Wie sieht Ihre Zukunftsvision bzw. Ihr Wunsch in Bezug auf die Kommunikation von Unternehmen mit jugendlichen Bewerbern aus?
Extrem viel direkter, virtueller Dialog. Man bewirbt sich gar nicht mehr klassisch, sondern man unterhält sich via Skype direkt mit einem Personaler, es gibt ein kurzes Vorab-Interview, bevor man überhaupt zum eigentlichen Vorstellungsgespräch kommt. Ein virtuelles Abchecken. Ich glaube, da wird sich noch einiges tun. Es gibt auch schon Unternehmen, die Spiele als Assessment Center einsetzen. Anhand deiner Art zu spielen wird dann analysiert, wie du tickst und ob dein Charakter zum Job passt. Da hat ein Personaler mehr von als von einem Bewerbungsanschreiben, das man ja theoretisch auch von Mama oder von einem Profi schreiben lassen kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

03 Jul

Azubimarketing 2018 und 2030: Drei Fragen an Christine Uhlmann von der SINUS:akademie

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Azubimarketing Sie finden, die ganze Generation Z über einen Kamm zu scheren, ist zu einfach? Das findet Christine Uhlmann von der SINUS:akademie auch. Auf dem Flügge Kongress für neues Azubimarketing am 4. September 2018 erklärt sie anhand der Sinus-Studie, warum Jugendliche einer Generation je nach Herkunftsmilieu doch ganz unterschiedlich ticken können. „Wie ticken Azubis? – Gen Z ist nicht gleich Gen Z“ lautet der Titel des Keynote-Vortrags.

Frau Uhlmann, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an heutige Schulabgänger denken – was ist anders im Vergleich zu Ihrer Schulzeit?
Wenige Schulabgänger – unzählige Möglichkeiten! Im Vergleich zu meinem Abi-Jahrgang sind junge Menschen, die ins Berufsleben starten, ein rares Gut geworden. Das war bei uns ganz anders. Und auf der anderen Seite haben heutige Jugendliche eine so große Vielfalt an Ausbildungsberufen und Studiengängen, dass ich es gut verstehen kann, wenn da die Entscheidung nicht leichtfällt! Zumal ich das Gefühl habe, dass die Schule nicht sehr gut auf diese Entscheidung vorbereitet: Jugendliche wünschen sich einen Beruf, der zu ihren Neigungen und Fähigkeiten passt. Das war zwar auch für mich ein wichtiges Kriterium, aber wenn ich den Jugendlichen in unseren Interviews so zuhöre, ist die Zeit für Hobbies, fürs Ausprobieren und Experimentieren knapper geworden. Und selbst wenn man sich entschieden hat, ist es 2018 beinahe unmöglich, die weitere Berufsbiografie zu planen. Wenn wir mit Jugendlichen sprechen, hört sich das oft so an, als stünden sie in einem großen Labyrinth, in dem man nur den nächsten Streckenabschnitt einsehen kann. Für manche Jugendliche ist das super – nach jeder Biegung eine Überraschung und gerne auch mal ein „Umweg“ – andere tun sich sehr schwer damit und wünschen sich mehr Geradlinigkeit, wie es bei früheren Generationen der Fall war.

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Ein gutes Azubimarketing kommt in 2018 nicht vorbei an….
…Zielgruppenorientierung! Das „Gießkannenprinzip“ funktioniert mit der Generation der heutigen Schulabgänger ganz bestimmt nicht mehr. Deshalb sollten Betriebe um die große Vielfalt von Lebenswelten wissen und sich mit deren Eigenheiten und Werten vertraut machen: Wie ticken die denn überhaupt und wie unterschiedlich ticken die, wenn es um Vorstellungen von Ausbildung oder Wünsche an die Zukunft geht? Das SINUS-Lebenswelt-Modell gibt hier viele Einblicke und zeigt: Oftmals lohnt es sich, gerade dort genauer hinzuschauen, wo man zunächst „blinde Flecken“ hat – bei denjenigen Jugendlichen, die eher fremd oder „anders“ erscheinen. Mindestens ebenso wichtig für das Azubimarketing ist es aber, sich auch über die eigenen Werte des Unternehmens im Klaren zu sein: Wofür stehen wir? Was macht uns und unsere Unternehmenskultur aus? Und dann gilt es, beides zusammenzubringen und dabei die Passgenauigkeit so groß wie möglich hinzubekommen. Wir empfehlen dafür, Praktika oder Orientierungstage anzubieten. Das gibt beiden Seiten die Möglichkeit, sich näher kennenzulernen und zu merken, ob es passt oder nicht. Und natürlich gehört dazu auch, die richtige Zielgruppe richtig anzusprechen – in einem persönlichen Gespräch auf der Ausbildungsmesse, durch eine originelle Stellenanzeige, über die Website usw. Ein passender Medienmix ist 2018 ebenfalls unerlässlich für gutes Azubimarketing.

Schießen wir uns gedanklich in das Jahr 2030: Wie sieht Ihre Zukunftsvision bzw. Ihr Wunsch in Bezug auf die Kommunikation von Unternehmen mit jugendlichen Bewerbern aus?
Im Jahr 2030 haben Unternehmen hoffentlich das große Potential erkannt, das in der jungen Generation steckt, und aufgehört, sich darüber zu wundern, dass die nachwachsende Generation so „anders“ ist als wir Erwachsenen. Für die jugendlichen Bewerberinnen und Bewerber wünsche ich mir, dass sie in der Schule, aber auch bei Praktika auf Menschen stoßen, die sie ernst nehmen und sich ausprobieren lassen und die ihnen immer wieder Rückmeldung geben, um die Orientierung zu erleichtern und frühzeitig zu merken, ob Berufsrichtung und Betrieb passen oder nicht. Und als Pädagogin habe ich natürlich auch den Wunsch, dass benachteiligte Jugendliche deutlich mehr in den Blick kommen als dies momentan der Fall ist. Statt sich an mangelnder Rechtschreibung aufzuhängen, werden 2030 hoffentlich deutlich mehr die Stärken und Ressourcen junger Menschen in den Blick genommen, sodass in viel größerem Maße auch die zum Zuge kommen, die nicht die besten Schulnoten mitbringen, dafür aber handwerkliche Stärken, Lust auf Arbeiten, Mut und Entschlossenheit.

Vielen Dank für das Gespräch!

28 Jun

Jugendstil Berufe-Rating: Berufe und ihre Wahrnehmung durch Jugendliche in der Berufsorientierung

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BerufeFragt man angehende Abiturienten, welchen Beruf sie anstreben, antworten sie meistens empört, dass sie bisher überhaupt keine Zeit hatten, sich Gedanken darüber zu machen. Das Abi! Die Prüfungen! All das verursacht Stress und lässt keinen Raum für eine sorgfältige Recherche rund um die Berufswahl. Das Pflichtpraktikum während der Schulzeit ist für die Mehrzahl der Schüler der einzige Berührungspunkt mit der Berufswelt. Sie wissen nicht, wie der Arbeitsalltag eines Polizisten oder eines Krankenpflegers aussieht. Interessanterweise haben Jugendliche trotzdem sehr klare Vorstellungen davon, welcher Beruf für sie in Frage kommt und welcher nicht. Diese Vorstellungen basieren nicht auf Fakten, sondern sind geprägt vom Einfluss der Eltern, der Lehrer und der Freunde. Auch die Medien spielen eine große Rolle bei der Wahrnehmung einzelner Berufe.

Wir haben 180 Jugendliche dazu befragt, nach welchen Kriterien sie einen Beruf auswählen und welche Tätigkeiten ihnen attraktiv erscheinen. Dabei haben wir 10 Berufe ins Visier genommen.

Anforderungsprofil und Zugangsmöglichkeiten
Ob Jugendliche sich für oder gegen einen bestimmten Beruf entscheiden, hängt nicht nur vom persönlichen Interesse ab, sondern auch davon, wie sie die Zugangsmöglichkeiten zu der Tätigkeit einschätzen. Der Lehrer ist Spitzenreiter in dieser Kategorie. Aus den 10 vorgegebenen Berufen trauen sich die befragten Jugendlichen am ehesten den Job an der Tafel zu, das heißt, sie glauben die Anforderungen für den Beruf gut zu erfüllen. Anders sieht es beim Piloten und beim Ingenieur aus. Der Ingenieur wird häufig mit dem Fach Mathematik in Verbindung gebracht, was für viele Schüler ein Problem darstellt. Beim Piloten sind es eher gesundheitliche und finanzielle Hürden, die den Zugang nach Meinung der Befragten erschweren.

Aufgaben und Arbeitsalltag
Neben einer guten Work-Life-Balance ist es vor allem der Spaß am Beruf, der heute für Schüler bei der Berufswahl zählt. Fragt man sie, für wie interessant bzw. attraktiv sie die Aufgaben der 10 genannten Berufe halten, gewinnt der Polizist. Von diesem Beruf versprechen sich die Teilnehmer der Befragung den größten Erlebnisfaktor. Kein Wunder also, dass die Polizei bereits seit Jahren im Arbeitgeberranking „Schülerbarometer“ ganz weit oben platziert ist. Der Steuerberater und der Bankkaufmann bilden das unglückliche Schlusslicht in dieser Kategorie. Von diesen klassischen Büro-Tätigkeiten versprechen sich die Schüler wenig Spaß.

Karrierechancen
Ein Faktor, der in der Berufswahl der Jugendlichen ebenfalls sehr ins Gewicht fällt, ist die Entwicklungsperspektive. Bei unserer Umfrage zu den wichtigsten Berufswahlkriterien schaffen es die Karrierechancen unter die Top 5 und stehen sogar noch vor dem Faktor Gehalt. Es ist der Rechtsanwalt, dem die Jugendlichen die besten Aufstiegschancen zuschreiben. Im Lehr- und Krankenpflege-Beruf sehen die Schüler dagegen wenig Entwicklungspotential. Beide Tätigkeiten landen auf den letzten Plätzen.

Bezahlung
Bei dieser Frage haben viele Jugendliche bemerkt, dass sie eigentlich nicht genau wissen, wie viel man in welchem Beruf verdient. Erstaunlicherweise liegen sie mit ihrer Einschätzung trotzdem nah an der Realität. Der Rechtsanwalt führt die Liste an, gefolgt vom Piloten. Wenig Reichtum traut man dem Grafikdesigner und dem Krankenpfleger zu. Zusammen mit dem Lehrer rangieren die beiden Berufe am unteren Ende der Bewertungsskala.

Sinnhaftigkeit
Abschließend haben wir die Schüler gefragt, wie sinnvoll bzw. erfüllend sie die einzelnen Tätigkeiten finden. In dieser Kategorie schafft es dann doch mal der Krankenpfleger, der sonst eher durchschnittlich bis schlecht abschneidet, auf den ersten Platz. Am wenigsten Sinnhaftigkeit schreiben die Schüler den Berufen Steuerberater und Bankkaufmann zu.

In unserem ausführlichen Rating-Bericht finden Sie das detaillierte Fazit zu allen 10 Berufen.

Zeitraum der Befragung: Februar und März 2018
Zahl der Teilnehmer: 180
Ort der Befragung: die Einstieg Messen in Köln, Düsseldorf und Hamburg
Berufe, die Gegenstand des Ratings sind: Bankkaufmann, Grafikdesigner, Hotelmanager, Krankenpfleger, Lehrer, Ingenieur (Maschinenbau), Pilot, Polizist, Rechtsanwalt, Steuerberater
Kriterien der Befragung: Anforderungsprofil und Zugangsmöglichkeiten, Aufgaben und Arbeitsalltag, Karrierechancen, Bezahlung, Sinnhaftigkeit.

Wollen Sie noch mehr über die Generation Z erfahren? Auf dem FLÜGGE Kongress am 4. September erklärt uns Christine Uhlmann von der SINUS:akademie, warum Jugendliche einer Generation je nach Herkunftsmilieu ganz unterschiedlich ticken können.

29 Mai

Azubimarketing 2018 und 2030: Drei Fragen an Jo Diercks von Cyquest

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AzubimarketingJo Diercks ist Gründer und Geschäftsführer von CYQUEST, Herausgeber des Buches „Recrutainment“ und Gastdozent an verschiedenen Hochschulen. Am 5. September beleuchtet er auf dem Flügge Kongress für  neues Azubimarketing die Frage, wie Berufsorientierung heute aussehen muss und was speziell Selbsttests, Matching-Tools und Eignungsdiagnostik dabei leisten können. „Ich kann was. Aber was?“ lautet der Titel des Vortrags. Der interaktive Flügge Kongress richtet sich an alle neugierigen Recruiter, Personal- und Ausbildungsmarketingexperten sowie Ausbilder, die der Zukunft mal ganz persönlich Hallo sagen wollen.

Herr Diercks, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an heutige Schulabgänger denken – was ist anders im Vergleich zu Ihrer Schulzeit?
Ich würde das überschreiben mit „Orientierungslosigkeit“ auf der einen und „Information-Overload“ auf der anderen Seite. Das Gefühl von „Die Welt steht dir offen, du kannst alles werden“ trifft auf „Oh Gott, was werde ich denn!?“, die pure Überforderung. Vielfalt ist ja erst mal gut, aber wenn mich diese Vielfalt erschlägt, kann das zu Resignation führen: Das Buch ist so dick, da schlage ich gar nicht erst die erste Seite auf. Wer sich überfordert fühlt, orientiert sich schnell am Naheliegenden, vielleicht auch an Stereotypen. Ich mach das, was meine große Schwester gemacht hat oder was meine Freunde machen. Oder ich lasse mich von den Stereotypen aus dem Fernsehen leiten, so nach dem Motto: Ich mag den Tatort, dann gehe ich zur Polizei. Wenn das zum Zug kommt, dann werden die gleichen Auswahlfehler gemacht, die schon immer gemacht wurden, obwohl das Bildungsangebot mittlerweile so groß ist wie nie. Die Konsequenz muss eigentlich sein, dass ich meine Interessen mit der Umwelt abgleiche, aber dafür braucht es Hilfestellung, von alleine passiert das nicht. Nur wenn das große Ganze, z.B. in einem Berufswahltest, durch einen Filter läuft, bei dem am Ende genau mein Ding rauskommt, zumindest aber eine deutliche Eingrenzung stattfindet, kann ich mich orientieren. Im Gegensatz zu meiner Generation suchen sich Jugendliche heute auch stärker Unterstützung bei den Eltern und Lehrern. Ich habe zum Beispiel ein super Verhältnis zu meinen Eltern, ich wäre aber nie auf die Idee gekommen, die zu fragen, was ich denn mal werden könnte. Das ist heute anders… Und das muss Azubimarketing im Hinterkopf behalten.

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Ein gutes Azubimarketing kommt in 2018 nicht vorbei an….
Orientierung auf Augenhöhe und Transparenz! Ich muss als Unternehmen in meinem Azubimarketing für den Jugendlichen die Frage beantworten: Passt die Ausbildung zu mir? Die Zielgruppe muss mein Angebot als Ratschlag und als Hilfestellung empfinden. Das kann ich tun: Einblicke geben, den Vorhang beiseite ziehen, das echte Arbeitsleben zeigen. Die potentiellen Kollegen zeigen, Einblick in die Tätigkeit geben und in das Gebäude, zum Beispiel durch virtuelle Unternehmensrundgänge. Matchingverfahren, die mir helfen zu entscheiden, passt das zu mir. Früher hatte man vorne die Hochglanzbroschüre und hinten die Ungewissheit. Man musste den Job erst mal antreten, um herauszufinden, wie die Unternehmenskultur aussieht. Das Mantra im Employer Branding der letzten Jahre lautete ja „So viel Authentizität wie möglich!“ Die Message ist angekommen und viele Arbeitgeber haben schon ihr Marketing angepasst. Das ist gut für Bewerber!

Schießen wir uns gedanklich in das Jahr 2030: Wie sieht Ihre Zukunftsvision bzw. Ihr Wunsch in Bezug auf die Kommunikation von Unternehmen mit jugendlichen Bewerbern aus?
Zum einen sehe ich, dass die Kommunikation mit der jungen Zielgruppe in einem erheblichen Maße durch künstliche Intelligenz unterstützt werden wird. Dass Algorithmen dabei helfen werden, die Passung zu identifizieren. Tests können zum Beispiel stattfinden auf den Karriereseiten der Unternehmen. Wir haben für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) einen Ausbildungsmatcher entwickelt, der tinderartig die Eignung von Bewerbern checkt. Das spricht an und macht Spaß, eine kurzweilige Entscheidungshilfe. Auch Berufswahl-Plattformen wie Einstieg.com setzen ja schon Orientierungstests ein, die Schüler mit Unternehmen und Hochschulen sowohl online als auch auf den Einstieg Messen matchen. Die Bewerber selber werden aber auch zunehmend Algorithmen für sich arbeiten lassen. Sie werden einmalig einen Test machen und das Ergebnis z.B. auf Bewerberplattformen hinterlegen, so dass die Plattform passende Angebote für sie sucht. „Ich lasse mich finden“ ist eine große Überschrift für 2030. Und vielleicht finden mich dann ja auch Ausbildungswege, auf die ich selber nie gekommen wäre! Der zweite Aspekt meiner Vision ist: Durch eine zunehmende Automatisierung wird vielleicht auch Zeit frei, es wieder ein bisschen mehr menscheln zu lassen. Wir haben zum Beispiel Kunden, die kriegen 70.000 Bewerbungen im Jahr. Wenn mir ein Bot dabei hilft, die Zahl zu reduzieren, so dass ich für die 2.000 offenen Stellen, die ich habe, vielleicht nur noch 4.000 oder 5.000 Bewerber anschauen muss, dann kann ich die freigewordenen Ressourcen nutzen, um mit den übriggebliebenen Kandidaten Veranstaltungen zu machen. Hier kann ich intensiv interagieren und alle näher kennen lernen. Ich kann Tage der offenen Tür machen für diese Interessentengruppe oder Ähnliches. Die Dialektik zwischen Automatismus und Menscheln, das ist das, was ich 2030 sehe.

Vielen Dank für das Gespräch!

15 Mai

Azubimarketing 2018 und 2030: Drei Fragen an Ali Mahlodji von WHATCHADO.com

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Azubimarketing

Copyright: Ali Mahlodji

Ali Mahlodji kam 1983 als Flüchtlingskind aus dem Iran nach Deutschland. Das Thema Orientierungslosigkeit bei Jugendlichen hat ihn immer beschäftigt. 2012 gründete er deshalb das Start-up WHATCHADO.com, ein digitales Handbuch der Lebensgeschichten. Mit der Plattform möchte der international ausgezeichnete Visionär junge Menschen inspirieren. Ali ist am 5. September Keynote-Speaker auf dem Flügge Kongress für  neues Azubimarketing. Der interaktive Kongress richtet sich an alle neugierigen Recruiter, Personal- und Ausbildungsmarketingexperten sowie Ausbilder, die der Zukunft mal ganz persönlich Hallo sagen wollen. Alis Vortragsthema auf der Veranstaltung: Arbeitswelt im Umbruch. Führen einer neuen Generation.

 

Ali, was fällt dir als Erstes ein, wenn du an heutige Schulabgänger denkst – was ist anders im Vergleich zu deiner Schulzeit?

Die heutigen Schulabgänger haben wahrscheinlich viel mehr Stress als damals, sie wachsen in einer Welt auf, in der es ihnen oberflächlich betrachtet viel besser geht als der Großelterngeneration, in einer Welt, in der alles da ist. Die Großeltern haben noch den Krieg erlebt und leere Supermärkte. Die Jugendlichen wachsen in einer Welt auf, in der man über Amazon ein Produkt bestellen kann, das sofort verfügbar ist. Gleichzeitig haben wir durch die Digitalisierung eine sich ständig verändernde Arbeitswelt, in der es den lebenslangen Job nicht mehr gibt. 65 Prozent der Jobs, die wir in den nächsten Jahren ausüben werden, existieren noch gar nicht! Die Sicherheit, mit der man damals aufgewachsen ist, gibt es einfach nicht mehr. Wir werden auch nicht mehr die Rente bekommen, die die Großeltern hatten. Eine Welt voller Möglichkeiten, was auf den ersten Blick perfekt ist. Die Schule ist jedoch noch organisiert wie früher: Man lernt hier nach Vorgaben. Jemand sagt dir, was du wie in welchem Tempo lernen sollst. Wenn du dich daran hältst, wirst du gut benotet. Was das moderne Arbeitsleben braucht, sind aber Menschen, die nicht nach Vorgaben lernen, sondern die sich eigene Gedanken machen, die neue Ideen einbringen. Schülern fehlt heute die Orientierung und der Halt, sie wissen oft nicht, worauf es denn wirklich ankommt. Wenn wir an die Schulen gehen, merken wir das sehr. Wir versuchen die Jugendlichen dann zu ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen und sich nicht zu sehr von anderen beeinflussen zu lassen. Ich glaube übrigens auch, dass die Generationen künftig stärker zusammenwachsen werden, dass nicht nur die Jungen von den Alten lernen, sondern auch die Alten von den Jungen.

Bitte vervollständige folgenden Satz: Ein gutes Azubimarketing kommt in 2018 nicht vorbei an….
Ein gutes Azubimarketing kommt nicht daran vorbei, sich endlich mal in die Lebenswelt der Jugendlichen hineinzuversetzen.  Was junge Menschen heute antreibt, ist das Thema Sinn. Der Mensch entwickelt sich immer nur weiter, wenn er einen Sinn sieht in dem, was er tut. Unternehmen, die mit den Jugendlichen auf Augenhöhe sprechen und die ihre Azubis in das Azubimarketing einbinden, erreichen viel mehr. Was man auch nicht vergessen darf: Junge Menschen haben heute keine Geduld mehr. Sie können sich übers Internet jederzeit alles kaufen und müssen auf nichts mehr warten. Jede Serie ist im Netz verfügbar. Das ist für Unternehmen auch eine große Herausforderung. Sie müssen es schaffen, den Nachwuchs davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, zwei oder drei Jahre ihrer Zeit dem Unternehmen zu widmen. Das schafft man nur, wenn man Schüler ernst nimmt und ihnen zuhört. Und ihnen vor allem etwas zutraut! Die Azubis, die ihre Ausbildung gerne machen und die erfolgreich sind, sollte man unbedingt zu Azubi-Botschaftern machen. Sie können den Nachwuchs am besten für die Ausbildung begeistern und sind für authentisches Azubimarketing unerlässlich.

Schießen wir uns gedanklich in das Jahr 2030: Wie sieht deine Zukunftsvision bzw. dein Wunsch in Bezug auf die Kommunikation von Unternehmen mit jugendlichen Bewerbern aus?
Das Schöne ist, dass wir bis dahin eine neue Art von Bildungssystem haben werden. Wo der Unterricht viel näher dran ist an der echten Praxis. Einige Unterrichtselemente werden nicht mehr in der Schule stattfinden, sondern bei den Unternehmen vor Ort. Viel mehr Lehrer werden Menschen aus der echten Wirtschaft sein. Durch all das werden Schüler viel früher als jetzt mit dem echten Arbeitsleben in Kontakt kommen. Das Schulsystem wird nicht mehr in einzelnen Fächern denken, sondern die Disziplinen stärker vernetzen und Projektarbeit betreiben. Damit die Jugendlichen besser verstehen, wie die Dinge in unserem Leben funktionieren und entstehen. Wie Häuser und Smartphones gebaut werden, z.B., und wie man sie vermarktet. Das macht es den Jugendlichen später einfacher, sich für einen bestimmten Job zu entscheiden. Unternehmen sind dann schon mit Schülern in Kontakt, wenn die Berufswahl noch gar kein Thema ist, und sie müssen die Schüler als „Kunden“ betrachten, denen sie ihre Ausbildung schmackhaft machen wollen.  Engagierte Unternehmen werden sich in der Schule stark einbringen, sie werden Vorträge halten und Projektarbeit begleiten. Kein Unternehmen kann es sich heute mehr leisten, reine Pflichterfüller einzustellen. Deshalb müssen sie die jungen Leute schon früh dazu „erziehen“, selber zu denken und die Dinge in Frage zu stellen. Unternehmen, die sich darauf verlassen, dass sich die Schule und die Politik darum kümmern, werden schlechte Karten haben. Die Politik hinkt den Entwicklungen eher hinterher.

Ali, vielen Dank für das Gespräch!

30 Apr

Studie „Abenteuer Erstbewerbung“: Wie blicken Jugendliche in der Berufsorientierung auf das Thema Bewerbung?

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Bewerbung

Die Digitalisierung verändert nicht nur unseren Alltag, sie schlägt sich auch in der Bewerbung nieder. Eine Bewerbung via E-Mail entspricht heutzutage dem Standard. Eine eigene Bewerberhomepage zu haben, ist auch nichts Außergewöhnliches mehr. Nach und nach wagen sich einzelne Unternehmen aber auch an ausgefallene Bewerbungswege heran. McDonalds zum Beispiel hat 2017 in den USA junge Menschen via Snapchat dazu aufgerufen, sich als Mitarbeiter zu bewerben. Wir wollten herausfinden, ob Jugendliche darauf warten, über neue Medien angesprochen zu werden, eine Bewerbung über WhatsApp oder Video z.B. schon bald Normalität bedeuten könnten. Außerdem wollten wir wissen, über welche Erfahrungen Schüler am Ende ihrer Schulzeit in Bezug auf Bewerbungen verfügen. Haben sie überhaupt schon Bewerbungen verschickt, und wenn ja, wie viele? Welche Kanäle verwenden Jugendliche für die Bewerbung und wie kommen sie mit Stellenanzeigen zurecht? Im September und Oktober 2017 haben wir 572 Jugendliche im Alter von 17 bis 19 Jahren zum Thema befragt.

Eine der überraschenden Erkenntnisse: Einerseits tun sich viele Jugendliche mit dem klassischen Bewerbungsanschreiben schwer. Sie scheuen das Formale, vor allem, weil sie Angst davor haben, Fehler zu machen und sich damit ins Aus zu katapultieren. Andererseits wissen sie nichts von den modernen, niedrigschwelligeren Bewerbungsmethoden, die es bereits gibt. Hierin liegt eine sehr große Chance für Ausbildungsbetriebe, sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Wie sehr sich Unternehmen dem Mediennutzungsverhalten der Jugendlichen anpassen sollten und welche Folgen es hat, dass vor allem das Elternhaus und die Schule bei der Bewerbung unterstützen, lesen Sie in unserem ausführlichen Studienbericht.

Hintergrund: Befragt wurden Jugendliche, die sich für den Einstieg Interessencheck registriert haben. Der Berufswahl-Test, mit dem man sich auch auf den Besuch der Einstieg Messen vorbereiten kann, hilft dabei, die eigenen Stärken zu entdecken. 76 Prozent der Teilnehmer sind weiblich, 56 Prozent von ihnen besuchen ein Gymnasium. 15 Prozent der Befragten haben die Schule bereits abgeschlossen.

Wollen Sie noch mehr über die Generation Z erfahren? Auf dem FLÜGGE Kongress am 4. September erklärt uns Christine Uhlmann von der SINUS:akademie, warum Jugendliche einer Generation je nach Herkunftsmilieu ganz unterschiedlich ticken können.

12 Mrz

Stellenanzeige aus Bewerbersicht: uninformativ und langweilig

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Stellenanzeige

Die softgarden e-recruiting GmbH beleuchtet in ihrer aktuellen Studie den Blickwinkel, aus dem Bewerber eine Stellenanzeige betrachten. Befragt wurden 2.126 Teilnehmer, etwa zur Hälfte jeweils weiblich und männlich. Die Bewerber sind im Schnitt 34 Jahre alt und verfügen über 12,3 Jahre Berufserfahrung.  Die Ergebnisse decken sich interessanterweise mit dem, was u-Form in den Azubi-Recruiting Trends 2017 über die Haltung bei Jugendlichen herausgefunden hat: Bewerber kaufen nicht gerne die Katze im Sack, und sie wünschen sich Authentizität.

Ehrlich währt am längsten
Beurteilen sollten die Teilnehmer der Studie unter Anderem, wie gut die Stellenbeschreibung in der Stellenanzeige mit der Jobrealität zusammenpassen. Die Zahlen sind fast identisch: 42,4 Prozent der Teilnehmer sagten aus, dass die Stelle, die sie angetreten haben, mit der Beschreibung in der Anzeige übereinstimmte. 42 Prozent jedoch behaupten genau das Gegenteil: Sie machten die Erfahrung, dass der Job in der Anzeige geschönt wurde und in der Realität weniger attraktiv war. Fast die Hälfte aller Stellenanzeigen ist also unehrlich. Das ist besonders übel, wenn man sich diese Zahl anschaut: 82,7 Prozent der Teilnehmer glauben nämlich fest an das, was in der Stellenanzeige steht, ob es nun mit der Wirklichkeit übereinstimmt oder nicht. Und 73,1 Prozent von ihnen geben an, bereits auf eine Bewerbung verzichtet zu haben, weil die Stellenbeschreibung zu schlecht war. Kein leichtes Unterfangen für Unternehmen: Sie müssen es schaffen, ehrlich zu sein, ohne dabei abzuschrecken. Lösen lässt sich das vermutlich nur über einen Kompromiss im Text der Anzeige.

Gefragt wurden die Bewerber auch, welche Informationen ihnen in Stellenanzeigen grundsätzlich fehlen. In den rund 700 freien Kommentaren dazu fanden sich 280 Nennungen rund um das Gehalt. Die Bewerber müssten schließlich auch meistens ihre Gehaltsvorstellung angeben und schössen sich damit sogar oft ins Aus. Fair sei es, wenn Unternehmen im Hinblick auf die Vergütung ebenfalls mit offenen Karten spielten, zumindest einen groben Gehaltsrahmen angäben. Je präziser die Stellenanzeige, desto höher liegt übrigens grundsätzlich die Wahrscheinlichkeit für eine Bewerbung. Die Studienteilnehmer konnten per Regler festlegen, ob sie sich eher auf eine allgemeine Anzeige (Wert 0) oder eine präzise Anzeige (Wert 100) bewerben würden. Im Durchschnitt landete der Regler bei 82.

Die ideale Stellenanzeige beschreiben die Studienteilnehmer so:

Stellenanzeige

Bei der Frage „Was wollten Sie Arbeitgebern schon immer zur Gestaltung oder zu den Inhalten von Stellenanzeigen sagen“ konnten die Teilnehmer der Umfrage mal richtig Dampf ablassen. Von „mehr Mühe geben“ und „weniger Rechtschreibfehlern“ ist da die Rede. Stockfotos finden die Bewerber „peinlich“ und Begriffe wie „Kickertisch“ oder „Obst“ will auch keiner mehr hören. „Selbstlob“ wird stark kritisiert, und „Floskeln“ werden ebenfalls abgestraft. „Wenn ihr in euren Bewerbungen keine Floskeln hören wollt, dann gebt doch in euren Ausschreibungen auch keine heraus. Es schlafen einem die Augen beim Lesen ein.“

Das ist doch ein schönes Schlusswort!

Hier können Sie die komplette Studie kostenlos herunterladen.