21 Jul

Recruiting-Videos (1): Die Miserablen von Yale

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Screenshot aus dem epischen Yale-Recruiting-Musical

Screenshot aus dem epischen Yale-Recruiting-Musical

Sie können Evita, Cats und Das Phantom der Oper von der ersten bis zur letzten Silbe mitschmettern? Zu einem New-York-Urlaub gehört für Sie zwingend ein Besuch am Broadway? Und als die High-School-Musical-Serie Glee noch lief, hatte Super-RTL bei Ihnen zu Hause tatsächlich mehr Marktanteil als manch öffentlich-rechtlicher Sender? Wenn Sie all diese Fragen guten Gewissens mit Ja beantworten können, dann sollten Sie sich das folgende Video nicht entgehen lassen. Zugegeben, es ist schon etwas älter. Trotzdem bin ich erst kürzlich darauf gestoßen, und mir war sofort klar, dass es in dieses Blog gehört – ob als Best- oder als Worst-Practice-Beispiel für Recruiting, dürfen Sie nach dem Anschauen selbst entscheiden. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten.

Und nun lehnen Sie sich zurück, legen Sie die Beine hoch, und vergessen Sie für die nächsten 16 Minuten und 48 Sekunden (!!!) die Papierstapel auf Ihrem Schreibtisch und die unerledigten E-Mails in Ihrem Posteingang. Denn exakt so lange dauert der Image-Film, mit dem die Yale University seit 2010 versucht, Schulabgängerinnen und -abgänger auf ihren hübschen Campus an der US-Ostküste zu locken. Ob’s funktioniert? Nun, dass die renommierte Ivy-League-Universität nicht unbedingt ein Problem mit der Gewinnung talentierter und zahlungskräftiger „Freshmen“ hat, ist bekannt. Welchen Anteil allerdings dieses Epos an der Fülle der Bewerbungen trägt, lässt sich nicht sicher sagen. Auf YouTube jedenfalls ist der Film mit über 1,6 Millionen Klicks ein Hit. Schade nur, dass die Uni hier (und im gesamten Kanal) die Kommentarfunktion deaktiviert hat.

Meiner Meinung nach zeigt das Video hervorragend, dass Recruiting und Employer-Branding nicht immer bierernste Angelegenheiten sein müssen. Und, dass man bei der Produktion von wirksamen Image-Filmen nicht zwingend auf eine teure Agentur angewiesen ist. Denn das Yale-Musical ist eine hundertprozentige Eigenproduktion von Studenten und Absolventen der Elite-Uni. Ein Musterbeispiel dafür, wie man als Hochschule die Kreativität und Begeisterungsfähigkeit der Studierenden für den eigenen Laden nutzen und daraus ein 1A-Aushängeschild machen kann.

Fun-Fact am Rande: Nicht weniger als 49 Nobelpreisträger haben in Yale studiert, gelehrt oder geforscht. Zu den Absolventen zählen fünf US-Präsidenten, 19 Richter des Obersten US-Gerichtshofes und diverse ausländische Staatsoberhäupter. Wie viele Musical-Darsteller von New Haven aus den Weg an den Broadway oder ins Londoner West End gefunden haben – darüber führt die Hochschule bislang keine Statistik.

PS: Natürlich hat es nicht lange gedauert, bis die ersten Parodien der Yale-Schmonzette im Netz auftauchten, zum Beispiel diese hier, gedreht von Studierenden des großen Rivalen aus Harvard.

PPS: Sie kennen auch ein besonders kreatives, witziges oder einfach nur fürchterliches Recruiting-Video? Dann geben Sie mir einen Hinweis. Wir veröffentlichen hier in unregelmäßigen Abständen die interessantesten Beispiele.

Ein Gedanke zu “Recruiting-Videos (1): Die Miserablen von Yale

  1. Schon sehr amerikanisch, das Ganze. Wie dazu wohl ein deutsches Pendant aussehen würde? Der Ansatz, gelungene studentische Projekte gewinnbringend fürs Hochschulmarketing zu nutzen, ist aber sicher nicht falsch.

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